Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5671
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 meister ist ja meist nicht gern gesehen, ein Gegenstand der Abneigung, des Spottes und der Befehdung. Allein seine Rolle ist darum nicht minder eine-große, segensreiche, notwendige und deshalb zwar dornenaber auch ruhmvolle. Und wenn unsere Väter während langer Jahrtausendesich unter weit schwierigeren und gefährlicheren Umständen dieser Rolle mit unentwegter und begeisterter Festigkeit unterzogen haben, wenn sie unter Hohn, Mißhandlung und Tod nie aufhörten, jubelnd zu verkünden: „Wie schön ist unser Teil!" dann haben wir vollends die Pflicht, unter weit geringeren Nachteilen und Kränkungen an der geschichtlichen Aufgabe unserer Gemeinschaft festzuhalten und sie weder dem ungerechten Vorurteil noch der Aussicht auf ein kleines orientalisches Staats- und Stammeswesen zum Opfer zu bringen. Es ist sehr erfreulich, daß der im vergangenen Augustmonat in Basel tagende zehnte Zionistenkongreß sich fast völlig auf diesen Boden gestellt hat. Da war von dem politischen, dem staatlichen Zionismus so gut wie nicht die Rede, sondern man beschloß die Förderung der auch der überwiegenden Mehrzahl der nicht zionistischen Juden durchaus erwünschten Kolonisation, zumal in Palästina, sowie die Entwickelung und Ausbildung der hebräischen als lebenden Sprache, die das jüdische Bewußtsein zu stärken und zu kräftigen imstande ist. Auf das lebhafteste zu begrüßen ist, daß mehrere Redner die religiöse Grundlage als auch für den Zionismus unentbehrlich betonten und damit dem antireligiösen oder wenigstens religiös indifferenten Treiben mancher zionistischer Persönlichkeiten und Kreise scharf entgegen traten. Damit fällt wieder eine Schranke zwischen den Zionisten und den bekenntnistreuen Juden. Der zehnte Zionistenkongretz bereitete den gemeinschaftlichen Boden vor, auf den wir uns neben unsere zionistischen Brüder stellen und ihnen zu gemeinsamer Arbeit die Hand reichen können. - Es wird diese Gemeinschaft erleichtert und die Kluft weiter überbrückt werden, wenn die Verhandlungen des zehnten Kongresses auch darin vorbildlich bleiben, daß die Sprache der Zionisten den übrigen Israeliten i*