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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 268

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 268 (sequence 57)
Language
German
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270 Die Mutterliebe nie verweht. Der Mutter gilt mein erst' Gebet, - Sie war des Kindes Sonnenlicht, Vergiß der Mutter Liebe nicht! O Gott, verleih' dem Vater Heil, Die schwere Sorge war sein Teil! Vergiß vor Deinem Angesicht Der Sorge meines Vaters nicht! Und alle, die durch Wort und Tat In mich gestreut der Liebe Saat, Erhebe sie aus Grabesnacht Zum Licht vor Deines Thrones Pracht! Nachdem die Worte verhallt waren, klang die Stimme des SchammeßZ durch die Synagoge: „Jiskaur!"^) Keine Bewegung entstand, niemand rührte den Kopf. Die älteren Leute beteten für das Seelenheil ihrer Eltern und gelobten milde Gaben, für die sie deren Seelen in den Bund Abrahams, Isaaks, Jakobs und der Stammütter Sara, Rebekka, Lea und Rahel ausgenommen wünschten, und murmelten die hebräischen Worte ohne Kenntnis des Sinnes und waren ergriffen wie noch nie bei diesem Gebete. Die Kinder und jüngeren Leute, die sich sonst soviel zu erzählen hatten, machten ernste Gesichter. Zog durch ihr Gemüt ein banges Ahnen? — Würde nicht auch einst die Stunde kommen, wo sie die gleichen Gebete zu verrichten hätten? — Wolf Aron hatte während des Gesanges in sich zusammengesunken dagesessen. Als das Jiskaur des Schammeß verklungen war, war er erschreckt wie aus schweren Träumen in die Höhe gefahren. x) Synagogendiener. 2) Aufforderung, irrt Gebet der Toten zu gedenken.

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