Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/3111067-3111092-3115391--3679-3115672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
267 Ziesmer und seinem Ausspruch, und wie er sehe, daß die ganze Gemeinde dem Abfall und Verderben zutreibe. Eine leichte Bewegung ging durch den kleinen Körper, als Wolf geendet hatte, und mit einer Stimme, der man ein leises Beben anmerkte, fragte sie: „Wus willst'e tün?" „Wus soll ich tün? Wus kenn ich tün?" war die Gegenfrage. Muhme Szore dachte nach. Kein Laut war in dem kleinen, nur mit dem notwendigsten Hausgerät ausgestatteten Raume hörbar, nur die Uhr ging ihren gleichmäßigen Takt. Endlich Hub sie an: „Geih, lo Dir von mir suggen! Jche bin alt, sehr alt ün hobb viel d'erlebt, Güttes ün Schlimmes. As ich hobb Chasseneft gemacht mit niein Jizchek olew hascholem^), Hot Schem borech hü^) üns gegeben sibben Kinder, alle gesünd ün stark, ün wir hobben haße T'silleft getün, Schem borech hü soll se üns gesünd lassen, ün Schem borech hü Hot nischt gewillt. E ßachö) Kinder sennen gewe'n krank im Mokem* 3 4 5 * 7 8 9), ün in vier Wochen Hot er ünsre alle sibben zü sich genummen, ün andern Resch chaudeschft weren's sufzig Juhr, wo se den letzten, ünsern Binjomin, zur K'wureb) gebracht hobben. Ün wir hobben gemeint, nü werd de Welt üntergeihn, ün se is nischt üntergegangen, ün Schem borech hü sitzt immer noch im Himmel ün tüt Gütts ün straft, tote9) es de Menschen machen. Wus willst'e Dir den Kopp verdreihn? — x) Hochzeit. 3) Friede mit ihm. 3) Gott. 4) Gebet. 5) Eine größere Anzahl. 6) Ort.' 7) Neumond. 8) zu Grabe 9) je nachdem.