Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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266 Ja was wollte er hier? — Er wollte doch nicht am JomtokL) auf die Medine gehen! — Aber wer wohnte denn da im letzten Häuschen? Er mußte seine Gedanken gewaltsam zusammenfassen. Ja richtig, da wohnte ja die Muhme Szore. Muhme Szore war die einzige Verwandte, die er am Orte hatte. Den Grad der Verwandtschaft kannte Wolf Aron nicht, . doch hatte er sie von jeher Muhme genannt. Er hatte die Muhme Szore nur selten besucht und meist nur dann, wenn er den Rat der durch ihr hohes Alter ehrwürdigen Verwandten brauchte. War er nicht heute wieder in einer solchen Lage? Im Hausflur horchte er, ob nicht noch anderer Besuch drin sei. Keine Stimme war zu hören, nur das Ticken der Uhr war vernehmbar. Ohne anzuklopfen, drückte er auf die Klinke, und knarrend öffnete sich die Tür. Da saß im alten Lehnstuhl, an dem die eine Lehne abgebrochen herunterhing, eine zusammengekauerte Frauengestalt. Aus dem weißen Faltenhäubchen schaute ein Gesicht, auf dem Falte neben Falte lag, die sich nur wenig durch ihre Farbe von den Falten des Häubchens unterschieden. Nur das muntere Auge verriet, daß noch Leben in dem kleinen, zusammengeschrumpsten pliljtCEC. , „E seltner Gast!" begrüßte Muhme Szore Wolf, indem sie ihm ihre schmale Kinderhand hinreichte, die in Wolfs Hand ganz und gar verschwand. „Wu is Gitel?" „Ich hobb ihr nischt gefugt, daß ich hergeih; ich hobb' selber nischt gewüßt, daß ich herwill." Verwundert schaute das kluge Auge ob dieser seltsamen Rede zu Wolf hinauf. Hier fand Wolf Aron endlich Worte, um seiner Verwandten zu erzählen, was ihn bewegte. Er erzählte von seinem Sohne Moritz und dem Sch'ma, von dem deutschen Wort und seinem Glück, von dem Bauern *) Feiertag.