Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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264 „Urme Laat derfen nich redden ün missen alles geihn lassen, wie's geiht!" Gab es denn niemand in der Gemeinde, dem er sich anvertrauen konnte? — Da fiel ihm Moses Abramczik ein, der Kaufmann, bei dem er seine erhandelten Waren abzusetzen pflegte, und der jederzeit freundlich und gut zu ihm gewesen war und ihm stets soviel für seine Waren gegeben hätte, wie es der jeweilige Marktpreis nur irgendwie gestattete. Die strengreligiöse Lebensführung sowie das menschenfreundliche Wesen des Mannes flößten Wolf Aron Vertrauen ein. Sofort machte er sich auf den Weg zu ihm. „Gut Jontew*) Herr Abramczik!" „Gut Jontew!" war der freundliche Gegengruß. „Na, lieber Aron, was führt Sie heute am Jontew zu mir?" Ja was führte ihn wirklich hierher? — Wolf Aron faßte sich an seinen Kopf. Wie sollte er dem Manne da vor ihm auseinandersetzen,. was ihn bewegte? — Moses Abramczik erkannte an der Verlegenheit, daß Wolf Aron etwas auf dem Herzen habe, und meinte, es handle sich um Geldangelegenheiten. „Setzen Sie sich nieder, Aron, und erzählen Sie mir, womit ich Ihnen dienen kann! Sie brauchen sich vor mir nicht zu genieren!" ermunterte er Wolf und schloß die Tür zum Nebenzimmer. Noch immer brachte Wolf kein Wort hervor. „Kann ich Ihnen mit einigen Tälern helfen, so will ich's gern tun." Wolf schüttelte abwehrend den Kopf, und jetzt ging ein Zittern durch den großen, starken Leib, und mit bebenden Lippen kani's stoßweise hervor: „Mein Moritzleben! — De tatschen Lieder!" ') Frohes Fest.