Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Beim ersten dieser Worte war Leuchen schnell mit der Hand in die Rocktasche gefahren und hatte ihr Taschentuch hervorgezogen, und ihr kleines Auditorium war gewissenhaft ihrem Beispiele gefolgt. Beim Worte „dimoh“ hält Leuchen das Taschentuch vor die Augen, Nome und Chase desgleichen, und alle drei weinen leise vor sich hin, getreu der am Rande verzeichneten Weisung: „Do weint me!" Die letzten Worte des Hallelgebetes waren verklungen. Aller Augen wandten sich dem Chore zu, in dem sich eine leise Bewegung bemerkbar machte. Jetzt hört man durch den Kaddiscksi) des Kantors mit verhaltner Stimme den Ton angeben, und nach dem Dmeitt* 2) hebt sich der Taktstock in die Höhe, und durch den weiten Raum klingt das Lied: An des Horebs Höhen lauschten Unsre Väter Deinem Wort, Und das Wort drang in die Herzen, Und da hallt es fort und fort. Was die Väter uns gekündet, Wird auf Erden nicht verwehn, Soll uns trösten, soll uns tragen Frei empor zu Himmelshöh'n. Noch im leisen Windessäuseln, Gott, vernehm' ich Deinen Hauch. Wo des Donners Stimme rollet, Herr, im Wetter bist Du auch. Wo ein Baum, ein Blümchen sprießet Auf der großen, weiten Flur, Wo gewaltig Ströme brausen, Da, auch da ist Deine Spür. x) Gebet für. Leidtragende/ 2) Amen.- ■■■r ■. 17*