Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Wo im Glück ein Herz erbebet. Da bist Du. Wo uns schwere Sorge quälet, Schickst Du Ruh! Wo ein Geist Gedanken sinnet, Groß und schön, Auch im Stammeln meines Kindes Spür' ich Deines Geistes Wehn. Wer mit innigem Erbarmen Schmerzen stillet, Elend scheucht, Wer in Demut seine Kniee Vor Dir, Heil'ger, beugt. Den hast liebend Du erkoren, Der ist Deiner Lade Zelt, Quell des Lebens und des Glückes, Großer Meister unsrer Welt! Wolf Aron, wandte während des Gesanges keinen Blick aus dem Machsor, ihm war tieftraurig zu Mute. Durch die Töne, die da von oben herniederbrausten, hörte er in einem fort die Stimme des Bauern: „Du büst no e Jud, awer Wat din Jung is, de is al en halwer Tschrist!" Und es schnitt ihm ins Herz, als er an einer Stelle die helle Stimme seines Moritz hervorklingen hörte. Am liebsten wäre er vorgesprungen und hätte dazwischengeschrieen, daß sie aufhören sollten mit ihrem Gesang. Aber was würde er damit erreichen? — Man würde ihn gewaltsam aus der Synagoge entfernen, und das Unheil würde doch seinen Lauf nehmen. Er hatte die Reichen sonst nicht beneidet. Heute hegte er den heißen Wunsch, auch einer von denen zu sein, deren Wort in der Gemeinde etwas galt; es würde nie so weit gekommen sein. Joschke Fenster hatte sich beim ersten Tone mit beiden Händen die Ohren zugehalten. Die verhaßten