Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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- 253 — Redensarten abspeisen zu lassen, und sie steuerte nun geradeswegs auf ihr Ziel los: „Gewiß gibt's auch 'ne Kaul!" „Nein, Kaul nicht, aber eine Speise, eine Mandelspeise." „Kaul oder Speise is ganz egal!" lautete ein wenig, gekränkt die Antwort. „Das ist nicht egal" , berichtigte Frau Linder. „Bisher genügte der Name Kaul für uns. Zu den Reformen' aber, die von meinem Manne jetzt auf dem Gebiete des Kultus eingeführt werden, paßt der Name Kaul nicht mehr." „Haben Se vielleicht zu Ihr Rindfleisch auch' e'; neumodschen Namen?" „Nein", war die pikierte Antwort der Frau Parneß. „Erstens brauchen wir nicht für alles neue Namen, denn es wird ja noch nicht der ganze Gottesdienst reformiert; und zweitens gibt's heute nicht Rinderbraten bei uns, sondern Gänsebraten, jungen Gänsebraten!" Das genügte Modches Rösche. Mit der Begründung: „Sie haben ihren Platz, den Ihnen keiner nimmt; ich muß lausen, um noch einen zu bekommen!" ging sie eiligen Schrittes dem langsam und. schwerfällig sich bewegenden Paare voraus, um noch mehr Neuigkeiten zu erfahren. An Wolf Arons Gitel ging sie mit freundlichem Kopfnicken vorüber. Was es bei den armen Leuten gab, konnte sie sich denken, gewiß Rindfleisch mit „Ferfelcher"Z. Sie interessierte mehr die Küche der K'zinim'). „A guten Tag, Frau Gappen! Wissen Se schon, was es bei Linders heut zu Mittag gibt?" „Gewiß, Röschen, das Wichte ich schon gestern. Wir lassen doch auch, beim Bäcker Bornstein -backen, und ich; würde meiner Marie nicht raten, nach Hause zu kommen, wenn sie mir nicht erzählenkönnte, was die andern backen." *) Eiergraupen. 2) Reichen.