Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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.aber solle mit einer Ansprache die Ehrenpfeife mit dem Ehrenbande übergeben, bei welcher Handlung er zur Erhöhung der Feierlichkeit von zwei Ehrenjungfrauen in Weiß flankiert werden sollte. Modches Rösche war. „ein junges Mädchen" von flechsundfunfzig Jahren. Da . das weibliche Geschlecht zu Milnow nur in zwei Kategorien, in Frauen und junge .Mädchen geteilt wurde, so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich dem letzteren Stande zuzurechnen. Sie gehörte nicht zu den gutmütigsten Naturen und wünschte dem Chore, namentlich den andern jungen Mädchen „einen guten Reinfall". Aus dem Wege zur Synagoge erblickte sie den Parneß^) Linder, der seinen stattlichen Embonpoint vor sich und seine ebenso stattliche Gemahlin neben sich führte. Röschen beeilte sich, das Paar einzuholen. Das Gespräch leitete sie mit den Worten ein: „Christen werden heute auch genug in der Synagoge sein. Die Fuhrmann Keimen hat gesagt, sie muß auch dabei sein, und wenn es ihr nicht zu spät wird, holt sie noch die Steinken ab," Der Parneß fühlte sich geschmeichelt, die Reformen im Gottesdienste begannen Aufsehen im Orte zu machen. Er hoffte, daß auch Christen aus den höheren Schichten : des Städtchens zugegen sein würden, zu denen weder die Keimen noch die Steinken zu rechnen waren. Bei diesem Thema hielt sich Modches Röschen nicht lange auf. „Mein bißchen Fleisch Hab' ich bei Funks in den Ofen gestellt; da bleibt's warm, bis ich nach Hause komm'. Sie haben Ihr Mädchen dazu und haben heut' gewiß ein feines Mittag." Frau Linder wurde das Gehen sauer, und sie antwortete kurz und ausweichend: „Wie am Feiertage immer." . Das befriedigte nun Modches Rösche nicht; dazu ging sie nicht in die Synagoge, um sich mit derlei y Vorsteher