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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 249

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 249 (sequence 38)
Language
German
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251 dazu. Das Bündel weißer Nelken im rechten Knopfloch verbreitete eine Art Frühlingshauch über den ganzen Menschen; dazu die fliederfarbene Krawatte, die er gestern unter Assistenz von drei jungen Mädchen, Kolleginnen vom Synagogenchor, ausgesucht hatte! — Schon Lei der langen häuslichen Selbstbetrachtung vor dem Spiegel war er mit sich recht zufrieden gewesen, nur etwas zu weltlich war ihm sein Aussehen für einen ernsten synagogalen Zweck vorgekommen, und er hatte diesem Übel nach reiflichem Nachdenken nur dadurch abzuhelfen vermocht, daß er seinen Schnurrbart in eine dem Ernst der Situation angemessene Lage gebracht und ihm mit Pomade einen Zug nach oben, himmelwärts gegeben hatte. Als er Wolf Aron mit Gitel und Moritz vor sich hergehen sah, beschleunigte er seine Schritte und ging an Wolf Arons Seite, der sehr ernst und in sich gekehrt seines Weges ging. So mußte denn Abram Leiser die Kosten der Unterhaltung tragen. „Heut wird sich was tun in Schul! — Sehr schön is es gestern in de Prob noch nich gegangen. Wenn's heut nich besser geht, is de ganze Kille^) blamiert!" — Da ging Gitel an die Seite des, jungen Mannes, und ihn krampfhaft beim Ärmel fassend, bat sie leise: „Tü mir de Täuwe^) ün red nich mehr vom Singen!" Jetzt erinnerte sich Abram Leiser auch der Erbitterung, mit der Wolf Aron gestern vom Synagogengesange geredet hatte, und brach das Thema geschickt ab. Er habe eigentlich auch größere Sorgen als das Singen in Schul. Gestern abend wäre der Vorsitzende des Vereins „Blauer Dunst" bei ihm gewesen und hätte ihn gebeten, auch eine Rede bei der Ernennung des Herrn Bürgermeisters zum Ehrenmitgliede zu übernehmen. Der Vorsitzende wolle dem Herrn Bürgermeister das Patent für die Ehrenmitgliedschaft überreichen; er, Abram Leiser, *) Gemeinde. 2) Gefallen.

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