Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 239 - Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Stadt' und Felder, Es schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was Eurem Schöpfer wohlgefällt. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Himmelssaal; Also werd' ich auch stehen, Wenn-mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammertal. (Paul Gerhardt.) Da lag nun Wolf Aron aus seinem dürftigen Lager noch immer wie betäubt von' dem Gehörten. „Du büst no e Jud, awer Wat din Jung is, de is al en halwer Tschrist!" Er sei noch ein Jude, aber sein Moritz sei schon ein halber Christ! Das also war das Streben der Neuerer und Aufgeklärten, die Jugend so ganz allmählich, ohne daß man es merkte, zum Christentum hinüberzuführen! Und darüber hatte er noch große Freude empfunden, hatte seinen Sohn als etwas Besonderes und Auserwähltes betrachtet, und erst dieser Bauer mußte ihm die Augen öffnen! Da hatte Joschke Fenster doch recht, der nichts von dem Lehrer und seiner Wissenschaft hielt und die neue Art als „goschkedig"ft bezeichnet^ Heute hatte es ihm der Bauer ja schwarz auf weiß bewiesen, daß Joschke Fenster recht habe! Und zu so schmählichem Treiben sollte er seinen Moritz hergeben! Ein feindseliges Gefühl stieg in ihm auf gegen alle Männer, die bei dieser Neuerung beteiligt waren: Gegen den Vorsteher, dem er nicht mehr hätte trauen müssen, seitdem ihm zu Ohren gekommen war, tz unjüdisch.