Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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„Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer-Seele, von allem Vermögen. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen; Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest, oder aufstehest; Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein; Und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Tore." Wolf kannte die deutschen Schriftzeichen nicht und hörte mit wachsendem Staunen zu. War er noch ein wenig mißtrauisch gewesen, solange der Bauer nur die vorher von ihm zitierten Worte las, so wich jeder Zweifel, als er auch die andern von Moritz gehörten Worte vernahm. . Ja, es war sicherdie Worte standen da in der christlichen Bibel drin. Jetzt triumphierte der Bauer, und als er die Bibel schloß, sagte er: „Na ja, Wulf, Du büst no e Djud; awer Wat Din Jung is, de is al en halwer Tschrist!" Da stand der arme Hausierer wie vom Donner gerührt und starrte immer nach demselben Punkte zum Fenster hinaus, wo gerade die Sonne im Westen untersank. Er gab dem Bauern auch auf keine seiner Fragen mehr Antwort, und der Bauer sagte gute Nacht und ging in die andere Stube, aus der bald der Nachtgesang der Familie drang: