Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111092-3115391--3647-3115640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^WZWNWWWWWWWWMZWMMMW m — 235 — seines Christentums nachzuweisen, und er befriedigte damit zugleich seine Lust am Debattieren. ' Wolf Aron hatte sonst schweigend den Ausführungen des Bauern zugehört. Das Wissen und die Belesenheit des Bauern bedrückten ihn. Dazu kam seine eigene Ungewandtheit in der Sprache, die chm bisher nur den Ausdruck für sein einförmiges Geschäft und für die alltäglichsten Dinge des Lebens zu liefern hatte. Die einzige Äußerung, die er den Worten des Bauern entgegenzusetzen wußte, war gewöhnlich das abschließende Urteil: „Dat djift gaude u schlechte Djude, un dat djift uk gaude u schlechte Tschristen." Gegen dieses Urteil Pflegte auch der Bauer Ziesmer nichts einzuwenden, und so waren denn die beiden Männer zum Schlüsse immer wieder zu einer Uebereinstimmung gekommen. Diesmal hatte Wolf Aron dem religiösen Gesprächsthema mit einer gewissen Erwartung entgegengesehen. Die Freude an den von seinem Sohne vernommenen Worten war immer noch lebendig, und es drängte ihn, dieser Empfindung irgendwie Ausdruck zu geben, wozu ihm nach der Trennung von Gitel und Moritz noch keine Gelegenheit geworden war. Auch glaubte er dem Stolze des Bauern aus sein Christentum endlich etwas Gleichwertiges entgegensetzen zu können. Darum hörte Wolf die Ausführungen Ziesmers heute mit einer gewissen Ungeduld an. Ziesmer erzählte, wie einem Bauern des Nachbardorfes, der lange nicht das Abendmahl genommen habe, neulich, als er nachts durch den dunkeln Wald fahren mußte, sein Pferd scheu geworden und gestürzt sei, und in demselben Augenblicke sei eine große Eule über des Pferdes Kopf in den Wald geflogen- Danach erzählte er eine andere Geschichte, wie der Schäfer in Pritzwalde die Tochter eines Bauern aus einem fernen Dorfe, die jahrelang gelähmt gewesen, durch Streichen über die kranke Stelle und durch Herbeten von;