Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Pferd Ware längst gesund, wenn der Fuhrmann nur das von ihm empfohlene Mittel benutzt und das Pferd mit dem kranken Bein in nassen Lehm gestellt hätte,. der aber bei zunehmendem Monde um Mitternacht ohne jeden Laut vom Lehmberge geholt werden müsse. Der Fuhrmann Meier wäre so ein Kluger, der meine, der nasse Lehm mache es allein. Das sei aber nicht der Fall. Er, der Bauer, hätte das Mittel bei seinen Pferden immer mit bestem Erfolge' angewendet. Wer die Hauptsache sei nicht der Lehm, sondern der zunehmende Mond und die Mitternacht und das Schweigen. Gläubig hörte Wolf zu. Er wolle es dem Fuhrmann Meier noch einmal sagen; es werde aber nicht viel Helsen, denn Meier sei so ein „Aufgeklärter". > Das brachte den Bauern auf die Religion. Wenn er auf dieses Thema kam, fand er so leicht kein Ende. Wolf Aron war dieser Gesprächsstoff sonst unangenehm gewesen. Der Bauer war dem Juden hinsichtlich des religiösen Wissens überlegen. Er kannte nicht nur seine Bibel und wußte Beispiele, Gleichnisse und Sprüche geschickt anzuwenden. Die Lektüre von Missions- und Sonntagsblättern, Traktätlein und ähnlichen Schriften hatten den Mann zu einem geschickten Verfechter seines - religiösen Bekenntnisses gemacht. Er wußte zwar auch Lobenswertes vom Judentum und sprach mit Hochachtung vom alten Testament, aber nach dem bekannten Rezept, daß natürlich das Judentum die Vorstufe, das Christentum aber die Erfüllung sei. Dabei verband sich in seinem Kopfe Religiöses mit allerlei Wundergläubigem und Mystischem, wie man's bei Landleuten noch häufig findet. , Wolf Aron wußte alledem nichts entgegenzusetzen. Nicht daß die Ausführungen des Bauern ihn in irgendeinem Punkte überzeugt oder gar in seinem bißchen Judentum wankend gemacht hätten. Das wollte der Bauer auch garnicht, und nichts lag ihm ferner als die Absicht, den Juden seinem Glauben abwendig zu machen. Es war ihm nur eine Genugtuung, die Überlegenheit