Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Seine Bitte wurde gewährt, und er betrat mit dem Bauern die Küche, in der die Bäuerinvon einem mächtigen Laibe Brot große Stullen schnitt. „Wulf blist bi us Nacht!" kündigte der Bauer lakonisch seiner Frau an, die sich in ihrer Beschäftigung nicht stören ließ und nur etwas mürrisch sagte: „Denn käst uk*) e Bund Stroh runnehaule!" Der Bauer ging in die Scheune und kam bald mit einem Bund Stroh zurück, das er in der geräumigen Küche zu Boden warf. Nachdem sich die Bäuerin allmählich an den Gedanken gewöhnt hatte, einen ungebetenen Gast zu beherbergen, wurde sie auch freundlicher. Sie - ftagte Wolf, ob er etwas essen wolle. Wolf bat um ein wenig Milch. Die Bäuerin kannte schon die Gepflogenheit des Mannes und sagte, er solle nur seinen Kessel hervorholen. In den Kupserkessel wurde nun ein ansehnliches Maß Milch gegossen, Wolf goß noch ein Maß Wasser dazu, schüttete aus einer Düte mitgebrachten Reis hinein, setzte den Kessel auf den Herd und fteute sich im voraus auf das Mahl. Als die Suppe fertig war, ließ er sie in dem Kessel abkühlen und löffelte sie, am Herde stehend, langsam mit Behagen aus. Die Bäuerin schüttete ihm auf einen Napf einige Pellkartoffeln aus dem großen Topf dazu, stellteBrotundButteraufdenKüchentisch,und WolfAron hatte den Wunsch, daß es seiner Gitel und seinem Moritz daheim ebenso gut gehen und schmecken möchte wie ihm. Nach dem Essen saßen Ziesmer und Wolf Aron in der geräumigen Wohnstube einander gegenüber und rauchten ihre Pfeifen. Das Gespräch drehte sich um die den beiden Männern Nächstliegenden Dinge. Ob die Saat bei der Stadt oder im Nachbardorfe auch so hoch sei wie hier am Orte, ob Wolf dort auch eine so ausgedehnte Raupenplage bemerkt habe, was Fuhrmann Meiers Pferd mache, oder ob der rechte Hinterfuß immer noch geschwollen sei. Bei dem letzten Thema wurde etwas verweilt. Der Bauer meinte, das Kannst auch.