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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 230

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 230 (sequence 19)
Language
German
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232 — Reinigungsprozeß immer nur zu Ehren eines Gastes vorgenommen wurde, dann mußten auch sie dem Gaste die Hand reichen, was sie schüchtern, mit abgewandtem Gesichte taten. Während dieser Begrüßung erschien auch der Hausherr und forderte Wolf auf, seinen Packen abzulegen. Die Frage, ob nichts zu handeln sei, verneinte der Bauer, und Wolf zählte auch hier nicht wie anderswo die einzelnen, in Betracht kommenden Handelsartikel auf, um das Gedächtnis des Verkäufers aufzufrischen, denn er wußte, hier bewahrte man alles getreulich für chn auf. Der Verneinung folgte die Aufforderung des Bauern an die Hausfrau: „Mutte, bring Wulfen e Bitz Bottebrot!" Nachdem Wolf mit Butter und Brot seinen guten Appetit befriedigt und sich so für den Mittag versorgt hatte, ging's einem andern Dorfe zu. In jener Gegend liegen die Dörfer weit voneinander entfernt, und Wolf hatte einen Weg von drei Stunden zu machen. In dem nächsten Dorfe hatte Wolf mehr Glück. Gleich in einem der ersten Häuser erstand er zu mäßigem Preise zwei Schaffelle, von denen er sich guten Gewinn versprach. Weiterhin erhandelte er einige Honigwaben, zu deren Transport ihm der Bauer einen leeren Bienenkorb lieh. Kunstgerecht wurde diese Last mit Stricken an dem oberen Ende des Sackes befestigt und so getragen, daß sie vor dem Körper herunterhing. Inzwischen war es Zeit geworden, sich nach einem Nachtquartier umzusehen. Der Bauer Ziesmer war ein guter ©o1) und würde ihm ein solches wohl nicht leicht abschlagen. Die Frau hielt er für minder gut; es galt daher, dem Manne zuerst zu begegnen. Vorsichtig guckte er durch eine Ritze des Bretterzaunes, ob dieser vielleicht auf dem Hofe fei. Da hörte er Tritte hinter sich; es war der Bauer, der gerade vom Felde kam. i) Goj — Nichtjude.

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