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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 229

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 229 (sequence 18)
Language
German
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— 231 — ' Aber ein Hausierer war und blieb ein armer Teufels auf den mau keinerlei Rücksichten zu nehmen brauchte. Da und dort wohnte im Dorfe auch ein Bauer, den Wolf Aron einen guten „Go"^) nannte und dessen Grundstück er mit einer Art Freundschaftsgefühl betrat. Freilich, diese Leute hielten sich den armen Juden' nicht vom Leibe, der in seinem ganzen Aufzuge allerdings wenig.einladend aussah, hatten vielmehr in jahrzehntelangem Umgänge erkannt, daß so ein Hausierer zwar ein armer Kerl war, der nicht mehr sein eigen nannte als die paar Groschen, die er zum Handel mit sich führte und die nicht selten noch von einem wohlhabenden Glaubensgenossen geliehen waren, daß er aber sonst ein Mensch war wie sie, mit menschlichen Schwächen und Vorzügen, wenn auch diese beim. Dauern und beim Juden meist aus verschiedenen Seiten des Charakters zu finden waren. „Jud" nannten sie ihn auch. Aber mit dieser Bezeichnung verbanden sie nicht den Begriff des Verächtlichen, Minderwerügen wie der Gutsherr. Im allgemeinen war das Verhältnis zwischen Wolf Aron und den Bauern ein gutes und entbehrte nicht einer gewissen Vertraulichkeit, was schon in dem „Du", das zwischen ihnen üblich war, zum Ausdruck kam. Zu einzelnen stand Wolf Aron in einer Art von freundschaftlichem Verhältnis. Man bewahrte die Ware für ihn aus, zeigte ihm das neugeborene Vieh und erzählte ihm von freudigen und traurigen Erlebnissen. Die Ausbeute war in diesem Dorfe nur gering. Im letzten Hause hatte Wolf Aron eins seiner Pakete abzuliefern. Hier wurde er wie ein alter Bekannter mit Freundlichkeit empfangen. Die Frau des Hauses, die gerade. Viehfütter durcheinandermengte, trocknete an der Schürze flüchtig die Hand, um sie Wolf zu reichen. Aus die Frage nach den Kindern würden die beiden jüngsten herbeigerufen. Die Mütter fuhr ihnen mit dem Rücken der Hand über Nase und Oberlippe, welcher i) Goj Nichtjude.

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