Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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227 Schublade der Kommode auf, wo das Geld aufbewahrt wurde, und drückte ihrem Wolf etwas in die Hand, und Wolf ging eiligen Schrittes zur Tür hinaus, um bald mit einem Kuhkäse wiederzukommen, den er eingeschlagen in ein grünes Kohlblatt auf der flachen Hand trug und eben von einem Nachbarn erstanden hatte. Und Moritz mußte diese seltene Delikatesse zu seinem Brote aufessen, und Vater und Mutter standen vor ihm und weideten sich am Anblick ihres Einzigen, der ihnen heute trotz seines guten menschlichen Appetits wie ein höheres Wesen vorkam. Und abends spät, als Gitel und Moritz schon in tiefem Schlafe lagen, da trat Wolf ans Bett des Knaben, legte die beiseite geschobene Bettdecke zurecht und strich über das schwarze Haar des Knaben und murmelte Worte der Zärtlichkeit und des Segens. Früh mit der Sonne stand Wolf Aron am nächsten Morgen auf. Auch Gitel erhob sich von ihrem Lager, und beide hantierten geräuschlos im Stübchen umher, um Moritz nicht aus dem Schlafe zu wecken. Während ein kleines Feuer im Kamin den Morgenkaffee kochte, legte.Wolf Teftllinf» und verrichtete sein Morgengebet. Dann wurde der Packen zurechtgemacht. In dem umfangreichen Sacke wurden mehrere Pakete von verschiedener Größe zurechtgelegt, alles Besorgungen für Landleute, die die-Handelsverbindung mit dem Hausierer benutzten, um sich Gegenstände des täglichen Bedarfs, die aus dem Lande nicht zu haben waren, in der Stadt einkaufen zu lassen. Die T'fillin und der Sziddur wurden, nachdem sie mit Andacht an die Lippen gedrückt worden waren, in einer eigens für sie bestimmten Ecke des Sackes untergebracht. Zum Schluß kam ein kleiner Kupferkessel in den Sack hinein, der es dem Manne ermöglichen sollte, ohne Verletzung der Speisegesetze auch einmal etwas Warmes zu genießen. J) Gebetriemen. 15*