Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Amhoorez
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Scbabbeß nachmittag. — Die Arbeit beginnt. An einem Schabbeßnachmittag „verhörte" Wolf Aron wieder seinen Sohn Moritz. Dieser begann wie immer: Scli’ma jissroeil adannoj elaulieimi adaunoj echod.1 2) Doch was für Worte klangen da dem Jungen aus dem Munde? — Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott. Was hatten denn diese, Wolf Aron verständlichen deutschen Worte mit jenen ihm unverständlichen und doch von frühester Kindheit an vertrauten zu tun? Bevor sich Wolf Aron diese Frage noch beantworten konnte, klang es weiter: „Und lieben sollst du den Ewigen, deinen Gott, mit ganzem Herzen, aus voller Seele und mit aller Kraft!" Wunderlich! Was der Junge da gelernt hatte! „Und du sollst einschärfen dieses Liebeswort deinen Kindern, und du sollst mit ihnen jederzeit davon reden, ob du weilest in deinem Hause, ob du gehest auf dem Wege, wenn du zur Ruhe gehest Und wenn du dich vom Lager erhebst." Größer kann die Wirkung auch nicht gewesen sein, als von des Horebs Höhen unter flammendem Blitz dem Volke die Offenbarung wurde. — Der Junge wollte den Sziddur^) schließen und forteilen, freute er sich doch, heute ohne Scheltworte davonzukommen. Da hörte er den Vater in einem Tone, den er sonst nicht zu hören bekam, sagen: „Geh, ma Sohnleben, sug mir das noch emol vor!" Und als Moritz dem Wunsche nachgekommen war: „Wenn de mechst, sug es noch emol!" Der Junge hatte schon längst den Sziddur geschlossen und war zu den Spielgenossen geeilt. Und immer noch 1) Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig. 2) Gebetbuch.