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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 220

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 220 (sequence 9)
Language
German
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220 Schauchets') zu trennen. Für diese Trennung waren andere Gründe maßgebend. Man wollte für die wohlhabenderen Familien eine jüdische Privatschule einrichten, die in der Hauptsache als Vorbereitungsanstalt für die unteren Klassen des Gymnasiums gedacht war. Da aber den einzelnen in Betracht kommenden Hausvätern die Unkosten für eine solche Schule zu hoch waren, so besann man sich darauf, daß der Religionsunterricht „eigentlich" sehr im argen liege und eine Reform desselben dringend notwendig sei. Die Stadt war bereit, zum Religionsunterricht eine jährliche Beihülfe von 60 Talern zu leisten. Eine ebensogroße Summe bewilligte der Vorstand der Gemeinde. So verbilligte sich der Lehrer um 100 Taler, das heißt unr einen ansehnlichen Bruchteil seines Einkommens. Grund genug, die Reform vorzunehmen. Und mit dieser Reform waren glücklicherweise alle Teile zufrieden. Der Kantor wurde seines Lebens erst froh, als er sich nicht mehr mit der ungebärdigen Jugend herumzujagen hatte, und konnte seine Kleußkecher hinfort in Ruhe verzehren und brauchte keine von ihnen mehr der vielbegehrenden Jugend zuliebe dem Pei ins Maul zu stecken. Der Lehrer bekam eine Stelle, eine Gunst, deren jüdische Lehrer, damals wie heute, nicht unter allen Umständen teilhaftig werden. Die Interessenten der Schule hatten eine billige Vorbereitungsanstalt für das Gynmasium und brauchten ihre Söhne erst drei bis vier Jahre später in die Fremde zu schicken. Die Agrarier von heute würden sagen: „Der Familiensinn wurde gefördert!" Und dazu sparten die Herren ihr schönes Geld. Die Gemeinde endlich hatte einen modern gebildeten Religionslehrer, den man auch bald seines Amtes walten sah. *) Schächter.

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