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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 216

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Amhoorez
Date
1910-01-01
Page
Seite 216 (sequence 5)
Language
German
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216 Daß er den routinierten Kaufleuten in keiner Hinsicht nachgestanden habe, ließen kleine typische Züge erkennen. So wenn er bei seinen geschäftlichen Reisen dein Fuhrmann erst außerhalb des Städtchens das Reiseziel angab,' damit die Konkurrenz ihm nicht zuvorkommen oder den Handel erschweren könne. Dabei hatte der Mann doch gebührende Rücksicht auf seinen Stand genommen und war nicht etwa auf dem mit Fellen oder Getreide hochbeladenen Wagen in die Stadt gefahren, sondern war vor den ersten Häusern vom Wagen gestiegen und hatte den Rest des Weges zu Fuß zurückgelegt. Vom andern Gelehrten, dem Lederhändler, hatte sich auch die Kunde erhalten, daß ihn bisweilen ein unbändiger Jähzorn packte. Wenn das Mittagessen einmal nicht nach seinem Geschmack zubereitet war, was in den besten Familien Vorkommen kann, so soll er die Schüssel mit Inhalt an die Tür oder an einen noch weniger hierfür bestimmten Ort geworfen haben. Und die Ansicht der Gemeindemitglieder war darüber geteilt, ob solche Zornausbrüche auf die Zugehörigkeit des Mannes zuni Stande der KauhaninU) zurückzuführen wären oder ob sie eine Folge der Beschäftigung mit der Gemore^) gewesen seien. Beide Meinungen fanden ihre Verfechter. Für die elftere fiel stark ins Gewicht, daß zwei Vertreter des Priestertums in der Gemeinde in der Tat leicht erregbare Naturenwaren; doch meinte ein Witzbold, daß einer dieser beiden, „der kurze Jankew", seinen „Kaaß"^) nicht von der „Kauhuschaft" her habe, sondern daß auf ihn das Sprichwort Anwendung finde: ,,E' klein Teppche kocht bald ibber." Ueber die Einwirkung des Studiums der Gemara^) waltete keinerlei Meinungsverschiedenheit, da kein lebendes Beispiel der Ansicht widersprach, daß die Beschäftigung mit dem Talmud das Blut erhitze. *) Nachkommen Aarons. 2) Talmud. 8) Jähzorn.

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