Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Die jüdische Speisetafel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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" — 209 - In Rom waren zu allen Zeiten die von Juden bereiteten Artischoken sehr beliebt und man sprach in christlichen Kreisen von carciofi alla G-iudia als etwas ganz appartes. Noch heute zieht die gesamte römische Studentenschaft an einem bestimmten Festtage in seierlichem Aufzuge zum Pater Abramo im (ehemaligen) Ghetto hinaus, um oaroioü mit vino nostrale in ungeheuren Massen zu vertilgen. Wenn sich auch dort alles im Laufe der Zeit geändert hat — auch der Sohn ist nicht mehr der Vater, er hat sich schon ein neues Haus aufgebaut, das nicht mehr den Charakter des Ghetto verrät — die Sitte ist einmal geblieben, und offiziell verkündet das Diarium der Studentenschaft auch weiter den feierlichen Aufzug derselben nach dem Ghetto. In Mitteldeutschland herrschte (ob noch heute, weiß ich nicht), am Sabbat, an welchem das Siegeslied am rotenMeer,nämlich derPentateuchischeAbschnittB es ch allach gelesen wird, die Sitte, die Schabbeskugel mit Weizenkörnern zu belegen, wie die Abbreviatur dieses hebräischen Wortes erfordert, sie soll lauten: ״ .בשבת שירד. להם הטיםAm Sabbat Schiroh eine Weizkugel!" Schöner ist die alte Sitte, an diesem Tage, der gewöhnlich strengen Winter zeigt, den Vögeln auf das Fenstergesims solche Körner zu streuen, denn auch die Vögel jubilierten beim Auszug Israels zur Freiheit! . Schön ist die in den Sittenschriften gegebene Mahnung, bevor man sich zu Tische setze, zuerst für die Haustiere zu sorgen. Es wird dies sogar an eine Schriftstelle angelehnt, nämlich an die im fünften Buche Mosis Cap. 11, V. 15, enthaltene Stelle: ״Ich werde geben Kraut auf deinem Felde für dein Vieh und (dann) sollst du essen und dich sättigen." Zum Schlüsse seien noch einige Spezialitäten erwähnt, welche bei.der ersten Einführung zum Genüsse im jüdischen Kreise auf Widerstand stießen, nämlich Zucker, Kaffee und Chocolade. Wiewohl Zuckerrohr und Zucker bereits im palästinensischen Talmud bekannt ist, auch in 14