Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Die jüdische Speisetafel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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**4208 —. der hebräischen Sprache in der Landessprache gesucht. So z. B. am Neujahrsabend Möhren (Mohrrüben) gegessen und dabei gewünscht, daß unsere Tugenden sich mehren mögen. Jsserlein in Marburg (1460) hielt dar- ״auf, daß am Neujahr Barben auf den Tisch kamen, weil ihr Name an Erbarmen erinnert, denn Barbe heißt im Mittelhochdeutschen auch Barm. — Aus der hebräischen Buchdruckerei in Livorno geht noch jetzt ein splendid ausgestattetes Einblatt hervor, welches an die hebräischen und italienischen Namen von Landesfrüchten u.^ dgl. Glückwünsche für das neue Jahr anknüpft. -M WK Für verschiedene andere Tage des Jahres gebot die Volkssitte, die oft in den Augen der Menge zum religiösen Brauch wurde, gewisse Speisen und Genüsse. An den Tagen der Trauer Erbsen oder Linsen zu speisen, wurde bis auf Jakob zurückgeführt, der sein Linsengericht an dem Tage, an dem der Großvater Abraham gestorben war, bereitet hatte. Daher vermied man es in gewissen Gegenden, an den Halbfesten, an denen man der allgemeinen Freude wegen jedes Trauergefühl unterdrückt, Erbsen oder Linsen zu essen. Am Chanukafeste sollte Käse gegessen werden, um .zu erinnern, wie Judith den Holofernes damit gespeist hatte. Am Purim, , wo sich Freunde gegenseitig Süßigketten oder Backwerke zuschicken, und zwar imnier in zwei verschiedenen Arten, wurde es oft zum Usus, zu. dem Lebkuchen, den man dem Freunde ins Haus schickte, auch noch einige Pfefferkörner dazu hinzuzufügen. Dies stammt aus der alten Zeit, in der Pfeffer als die teuerste Gewürzspezerei galt, welche vorzüglich die Juden aus ihrer geschäftlichen Verbindung mit dem Oriente in den Handel brachten. Daher wir nicht selten finden, daß den Juden als Strafe oder als Verpflichtung auferlegt wurde, einige Pfund Pfeffer an den fürstlichen Hofhalt zu liefern. In Ancona wurde ich (1876) am Purim mit Marzipan beschenkt, welches nach einem traditionell erhaltenen Rezept aus der spanisch-jüdischen Zeit her noch heute so bereitet wird.