Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Die jüdische Speisetafel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 10)
- Language
- German
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210 einem Zusatz zu Raschi's Erklärung zum I. Sam. Cap. XIV, 27, erwähnt wird, Maimonides sogar den bei uns üblichen Segenspruch für den Genuß des Zuckers festgestellt hat, so kennt man doch dessen Gebrauch in jüdischen Kreisen Deutschlands erst seit der Zeit des Jacob Lewy, der 1427 starb. Derselbe entschied nämlich in einem vorkommenden Falle, daß man Zucker am Peßach nur für einen ganz speziellen medizinischen Zweck aufbewahren dürfe. Es wird dies damit motiviert, daß man beim Zucker eine Beimischung von anderen Stoffen zu befürchten habe. Es wird bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß ein Mitglied des Lehrhauses Zucker aus Candia erhalten habe, bei dem man eine solche Beimischung nicht zu vermuten hatte, und dessen Genuß am letzten Festtage gestattet wurde. Auch Jsserlein, der 1460 starb, hatte Veranlassung, aus die Zuckerfrage näher einzugehen und hierbei zu entscheiden, daß unbedingt die Aufbewahrung des Rohrzuckers an den Peßachtagen zu gestatten sei. Große Diskussionen verursachte die Einführung des Kaffees in den Ländern und Zeiten, in welchen der Kaffeegenuß als eine Neuerung erschien, die anfänglich bei Mohamedanern und Christen auf sehr stark ausgeprägte feindliche Vorurteile stieß. In jüdischen Kreisen bildete sich kein Widerstand gegen das neue Getränk, das man im Orient gerne trank und allgemein Pries. Aber nach einer anderen Richtung hin beschäftigte diese Neuerung die Lehrtätigkeit die bedeutendsten rabbinischen Autoritäten in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Man hatte von religionsgesetzlicher Seite festzustellen: 1. Ob der Genuß des Kaffees vor dem Morgengebete zu gestatten sei, 2. welche Benediktion für den Kaffee zu sprechen sei, wenn derselbe nach dem Tischgebete gereicht werde. Dieselbe wird für überstüssig erklärt, wobei zum ersten Male bemerkt wird, daß man in Aegypten an nicht jüdischen Tafeln nach Been- ׳ digung derselben Kaffee zu reichen Pflegt.