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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 207

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Die jüdische Speisetafel
Date
1910-01-01
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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207 Die Stadt Oppenheim wurde im Jahre 1460 von dem feindlichen Heere des Bischofs in Mainz belagert. Die Bürgerschaft hielt ängstlich Wache, damit im Innern keine Feuersbrunft entstehe. Es durste von einer bestimmten Zeit an kein Backofen geheizt werden; daher auch die Juden verhindert wurden, nach Sabbat Ausgang, mit dem das Pafsafest eintrat, die für den Festabend erforderlichen Mazzot herzustellen. Daher gestattete der Rabbiner, schon am Freitag vorher die für die beiden Abende erforderlichen Mazzot zu backen. In den Rheinstädten wurde am Freitagabend ein spezieller Kuchen vorzüglich unter der Jugend verteilt. Dieser Kuchen gab einmal Veranlassung zur Rettung eines Kindes, das von Wegelagerern aufgegriffen und mitgeführt wurde. Am Freitagabend erhob das Kind ein fürchterliches Geschrei, indem es nach seinem Schabbeskuchen verlangte. Da das Kind nicht zu bes chwichtigen war, so führten die Leute das Kind zu den Juden am Orte, welche jetzt natürlich nicht ruhten, bis sie das Kind durch Loskauf aus der Gewalt befreien konnten. Wie in den nichtjüöischenKreisen es vorkam, daß gewisse Backwerke auf den religiösen Brauch oder auf bestimmte Zeiten des Jahres Hinweisen, so fehlte dies zuweilen auch bei den Juden nicht. Besonders bemerkt man dies am Wochenfeste, für das ein großerFladen mitFüllung gebacken wurde, der den Namen Sinai erhielt, auf derDeckedieZeichen einer siebenstufigen Leiter trug, uin einen hierauf bezüglichen Ausspruch im Midrasch zu illustrieren. Auch wurde, wie anderswo, ein gutes Anzeichen oder Anwünschen mit dem Genüsse bestimmter Speisen an gewissen Tagen verbunden. Schon in talmudischer Zeit wurde für den Neujahrstag verschiedenes empfohlen, wo man bei dem Genüsse einen entsprechenden Wunsch an die Bezeichnung anknüpfen kann. So z. B. am Abend des Neujahrsfestes Honig zu genießen mit dem Wunsche, daß uns ein süßes, aygenehmes Jahr beschieden sein möge. Später hat man'solche Anklänge auch außerhalb

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