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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 206

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Die jüdische Speisetafel
Date
1910-01-01
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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206 Dieses Mahl bestand in Fischen oder Geflügel, auch in Pasteten und Früchten. Am Rhein aß man hart gekochte Eier mit Petersilie und Essig. Im Winter Pflegte man bei der kurzen Tageszeit das zweite Mahl als Nachtisch bald auf das erste folgen zu lassen. Die Pasteten, welche hierbei auf den Tisch kamen, mit einer inneren Fleischfüllung, sollten veranschaulichen, wie einst das Manna zwischen der oberen und unteren Tauschicht dalag. Backwerk in reicher Auswahl ist in der jüdischen Speisenkarte sehr stark vertreten, und auch hier ist die französische Benennung der einzelnen Gebäcksarten fast vorherrschend, doch fehlt es auch nicht an Benennungen in deutscher Sprache. So werden erwähnt: Pasteten, Fladen, Pfannkuchen, Kücheln, Lebkuchen, hieraus Lekuchen, Steinkuchen, Oblaten, Krapfeln, Naut; letzteres ist aus dem Mitteldeutschen herzuleiten. Vorzüglich waren die beiden Weißbrode am Sabbat und Festtag auch außerhalb der jüdischen Kreise bekannt. Auf sie dürfte sich der Ausdruck Juden sein el in der Bäckerordnung von Regensburg beziehen. Die bei uns noch heute üblichen Bezeichnungen, nämlich Berches bei den ostdeutschen und Tadscher bei den Westdeutschen Juden dürfte auf den hebräischen Wortlaut der Bibelstelle im Buche der Sprüche 10,22 zurückbezogen werden. ״Der Segen Gottes macht reich". Der hebräische Text beginnt hierin mit בחברת Berches in bekannter Umlautung der Vocale im Volksmunde und endet mit תעשיר= Tadschir, ebenso corrumpiert im Munde der Menge geformt. Die Bretzel wird bereits im 13. Jahrhundert erwähnt, in der Sitte, sie bei einer Beschneidungsfeier unter die Mitglieder der Gemeinde zur Verteilung zu bringen. Diese Sitte war so eingebürgert, daß R. Joel Ha-Levi einmal gestattete, am Festtage selbst zu backen, um am ersten Mittelfeiertage, wo dieses Backwerk bei einer solchen Feier erforderlich war, nicht dieserhalb in Verlegenheit zu kommen. Dieser Tag fiel nämlich auf einen christlichen Festtag, an dem man nicht backen durfte. An ein ähnliches Hindernis für das Backen knüpft sich auch eine geschichtliche Notiz.

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