Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Die jüdische Speisetafel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— .205 Im Mittelalter speiste man gewöhnlich am Freitag zu Abend Pasteten und Fische, diese mit der sehr beliebten Pfeffer- oder Gewürzbrühe. Salomo Luria, der als Rabbiner in Lublin 1573 starb, eiferte sehr gegen das Fischessen am Freitagabend, weil dadurch die Mahlzeit am Sabbattage selbst und die Würde desselben beeinträchtigt werden. ״Ich muß eine Mahnung erheben gegen meine Glaubensgenossen, welche das Abendessen am Freitag reichlicher ausstatten als das Mahl am Morgen des Sabbattages, am Abend die guten Fische essen, welche das Hauptelement für die äußere Verehrung des Tages bilden sollten, daher zur Tafel des Tages selbst gehören. Von jeher war ich daraus bedacht, nicht am Abend, sondern am Tage des Sabbat am Fischgenuß mich zu erfreuen, der allein der Würde des feierlichen Tages angemessen äst. Möge man am Freitagabend ein noch so opulentes Mahl zu sich uehinen, es kommt nicht dem Mahl am Morgen, mit Fischessea verbunden, gleich." Dieses Mahl, welches man am Sonnabend nach beendigten! Gottesdienst einnahm, wurde mit dem französischen Ausdruck sur table bezeichnet, wie auch die anderen Speisen, welche im Ofen des Winterhauses hierfür warm gehalten wurden, ebenfalls einen französischen Ausdruck angenommen haben, der noch heute allbekannt ist. Denn das im Volksmunde so berühmte, von Heinrich Heine dichterisch besungene Schalet oder Schalent, ist nämlich, so variierend es auch in der Schreibung bei den Autoren erscheint, auf das ursprüngliche שאלט chald, welches dein heutigen chaud entspricht, weil die ehemalige Silbe al in die heutige Silbe au sich wandelt, zurückzuführen und somit der Bedeutung nach mit der in den Quellenschriften vorkommenden Be- Zeichnung חמין Gewärmtes in Einklang zu bringen. Auch das zweite Mahl, welches am Nachmittage eingenommen wurde, wird von den mittelalterlichen Gesetzlehrern mit dem fremden Ausdruck merendar bezeichnet, der die Hora, die dritte Stunde des Nachmittages im Kloster bedeutet, wie wir noch heutigen Tages vün der kirchlichen Vesper die Essenszeit benennen.