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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 204

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Die jüdische Speisetafel
Date
1910-01-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 — äußeren Wohlbehagen, sondern auch in dem erhöhten inneren Seelenleben zur Geltung kommt. Mit dem Einbruch des Abends, mit dem beginnenden Alltagsleben einer neuen Woche, mit allen ihren Lasten und Sorgen verschwindet auch die in der Sabbatweihe gewonnene höhere Seelenkraft -יdie Poesie weicht und die Prosa tritt ein. Da soll denn durch die Aufnahme des Wohl- - geruchs gleichsam ein Ersatz für diesen Verlust geschaffen werden. Steht ja der ׳ Geruch gerade in der Mitte ' zwischen materiellem und geistigem Empfinden, daher auch ריח mit רוח so nahe nebeneinander. Diese von der kabbalistischen Eingebung geoffenbürte Lehre hat den alten eigentlichen Grund, der nach der talmudischen Quelle zu folgern ist, ganz in Vergessenheit gebracht! Gehen' Wir nun an die Aufgabe, die einzelnen Eigentümlichkeiten der jüdischen Speisekarte darzustellen. Da erinnern wir zuvörderst an die Fische —so riefen auch unsere Vorfahren in der Wüste, als sie über den Mangel an Nahrung klagten, ״wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen". Fische waren eine Lieblingsspeise - bei den Inden von der ältesten Zeit an. In talmudischer Zeit verstand man, den Geschmack der Seefische so zu unterscheiden, daß man angeben konnte, von welcher Meeresküste her der Fisch stamme. Vorzüglich durften an der Festtafel Fische nicht fehlen. Eine Geschichte hierüber kursiert in verschiedenen Quellenschriften. Nach der einen soll es ein nicht reicher Mann in Jerusalem gewesen sein, der für seinen Eifer in der Verehrung des Sabbat einen besonderen Ehrennamen erhielt, nach anderen soll es ein Schneider in Rom ge- Wesen sein. Dieser oder jener fand sich am Rüsttage des Festtages auf dem Markteein, um Fische zu kaufen, wobei er den Sklaven des Gouverneurs beim Handeln um den Fisch überbot. Zu Rede gestellt erklärte er, morgen feiern wir ein Fest unserem Gotte, da will ich denn um alles in der Welt auch äußerlich diesen Tag auszeichnen — und siehe da, der Mann wurde belohnt, als er zu Hause den Msch öffnete, fand er darin eine kostbare Perle.

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