Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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198 bewahrt: Naturwissenschaft, Heilkunde, Astronomie, Mathematik und Philosophie wurden an den Fürstenhöfen und Hochschulen der arabischen Reiche von Bagdad bis Cordova gepflegt. Als Vermittler der dort bewahrten und neu gewonnenen Kenntnisse zu den europäischen Völkern spielten die bei den Arabern wohlgelittenen Juden eine große Rolle; unter den vielen glanzvollen Namen bedeutet den Höhepunkt, aber auch das zeitliche Ende Maimonides (1136—1204), der Arzt, Philosoph, Dichter und gläubiger Jude ist; er hat den Talmud geordnet, die Ideen des Aristoteles weiterentwickelt, die medizinische Wissenschaft gefördert und Astronomie betrieben. Wenn die semitischen Völker im wissenschaftlichen Leben des Mittelalters eine führende Rolle spielen, so pflegt man gern das ritterliche Leben und höfisches Dichten als eine Domäne der germanischen oder doch von germanischem Blute durchsetzten Völker zu betrachten. Die Entstehung, des Rittertums und der in seinem Gefolge schreitenden ritterlichen Dichtung ist bekanntlich noch nicht völlig aufgeklärt; sie treten zuerst in Frankreich, später in Deutschland als völlig fertige Erscheinungen vor unsere Augen, ohne daß es uns bis jetzt möglich wäre, ihre Ursprünge zu verfolgen. Nun hat in jüngster Zeit der bekannte Forschungsreisende Dr. Leo Frobenius im nordwestlichen Afrika Negerstämme entdeckt, die einen Ritterstand (natürlich in der ihren primitiven Verhältnissen angemessenen Form) und Nitterromane besitzen. Die Verhältnisse bei den Ritterfamilien und die Motive der Romane entsprechen fast völlig den gleichartigen Erscheinungen des europäischen Mittelalters. Da diese in Betracht kommenden Negerstämme sich zum Islam bekennen und seit langer Zeit unter dem Einfluß arabischer Kultur stehen, so liegt die Annahme nahe, daß es die Araber sind, von denen die Institutionen des mittelalterlichen Rittertums ihren Ausgang nahmen?) Von den Ritterromanen ist dies ohne ') Frobenius glaubt zwar, daß die Romane älter seien als. der Kultureinfluß der Araber; doch ich halte dies für nicht wahrscheinlich.