Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Weiteres glaublich, wenn wir cmdie reichentwickelte arabische Erzählungsliteratur denken. Von den Arabern strahlten also nach Norden wie nach Süden die Einflüsse aus, die dem frühen europäischen Mittelalter ein so charakteristisches Gepräge gaben. Daher ist Spanien, das ja am stärksten unter arabischem Einfluß stehen mußte, das klassische Land der Ritterlichkeit geworden; der Stolz und die Grandezza des spanischen Hidalgo sind bekannt, und noch heute rühmen sich die Spanier das ritterlichste Volk der Welt zu sein. So ist das als höchste Blüte germanischen Geistes gepriesene Rittertum ebenfalls semitischen Ursprungs. Wir haben in raschem Zuge eine lange Spanne Zeit durcheilt. Wir haben gesehen, wie die beiden großen Stämme der kaukasischen Menschenrasse, die wir nach ihren Sprachen als Jndogermanen und Semiten zu scheiden pflegen, im Laufe ihrer vieltausendjährigen Geschichte in vielfache teils friedliche, teils feindliche Berührung miteinander gekommen sind. Wir haben ferner gesehen, daß ihre Völker sich an vielen Stellen gekreuzt, an noch mehr Stellen ihre Kulturerrungenschaften ausgetauscht haben, wobei die semitische Rasse im ganzen Altertum und Mittelalter überwiegend der gebende, die indogermanische Rasse der empfangende Teil war. Erst die Neuzeit bringt einen Umschwung zu Gunsten der letzteren. Die gewaltigen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte Verbanken wir ausschließlich den Europäern; der Orient ist in kulturelle Abhängigkeit von ihm geraten. Er lebt vom äußeren, oberflächlichen Anstrich abgesehen noch ganz sein altes Leben wie vor Jahrtausenden; noch immer nomadisiert der Beduine an den Grenzen des Kulturlandes, das er gelegentlich als Räuber heimsucht. Ob wir Xenophons Schilderungen vom Leben im Euphrat- und Tigrislande lesen oder die heutigen Verhältnisse selbst kennen lernen: wir finden kaum einen Unterschied. Wird es fernerhin so bleiben? Wird nicht die Eisenbahn, die in Palästina eindringt, Arabien durchzieht und bald gen Bagdad eilen