Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 20)
- Language
- German
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m WWWWW MW — 197 Don den geistigen Kulturgütern reden, die durch die semitischen Völker über das klassische Altertum zu uns gekommen sind. Da ist in erster Linie die Schrift zu nennen. Das griechische Alphabet ist ein Abkömmling des phönikischen, also eines semitischen Alphabets; Formen wie Namen der Buchstaben beweisen es, und die griechische Sage, die die Schrift durch Kadmos aus Phönikien kommen läßt, war aus der richtigen Fährte. Neben dieser Grundlage aller höheren Kultur, die das Aufblühen der einzigartigen griechischen Literatur erst recht ermöglichte, verdanken die Griechen dem Orient ihre Kenntnisse von den Himmelsgestirnen, die Einteilung des : Jahres, ihr mathematisches und geometrisches Wissen und ihre älteste Philosophie. Das wichtigste Geschenk aber, das die Semiten den europäischen Völkern machten, ' ist die monotheistische Religion: das Christentum ist ja eine Tochterreligion'des Judentums. Der Sabbat, die Festtage, der ganze Geist, der das reine Urchristentum durchweht, ist jüdischen Ursprungs; später aber wird es durchsetzt von anderen orientalischen Einflüssen (Mithrasreligion) und dem griechischen Neuplatonismus. Das heilige Symbol des Christentums, das Kreuz, ist keineswegs dem Marterkreuz Christi entsprungen; es ist vielmehr ein orientalisch-semitisches, uraltes Symbol der "Göttlichkeit, ursprünglich das Abbild der Sonnenscheibe. Wir finden es als solches Symbol der Göttlichkeit auf assyrischen Steinskulpturen des 9. Jahrhunderts v. Chr., wo es den Königen als Halsschmuck beigegeben wird, ganz wieunsere Ordenskreuze. Semitische Gefangene werden auf ägyptischen Denkmälern mit solchen Kreuzen am Hals dargestellt, und aus babylonischeu Siegelzylindern mit Keilschrift begegnen wir ihnen ebenfalls. Als die Wogen der Völkerwanderung die klassische Kultur zertrümmert hatten und die Wissenschaft nur wenige ' Stätten in Europa mehr besaß, wo sie gepflegt wurde, da waren es die semitischen Araber, die das wissenschaftliche Erbe der Griechen übernahmen und pflegten. In ihren Händen blieb der Nachwelt das Wissen der Alten v* I