Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— .193 - same Stammutter, das Ur semitische, vorauszusetzen. Dessen Erschließung bietet freilich zur Zeit noch große Schwierigkeiten, sodaß die semitische Sprachwissenschaft noch nicht soweit gelangt ist wie ihre Schwester, die indogermanische Sprachwissenschaft. Ein Lieblings- Problem vieler Gelehrten, die Verwandtschaft des Indogermanischen und Semitischen nüchzuweisen, hat deshalb bis heute keine sichere Lösung finden können. Zwar hat es in älterer wie jüngerer Zeit nicht an dahingehenden Versuchen gefehlt; der bekannte Afsyriologe Friedrich Delitzsch hat im Jahre 1873 in seinen „Studien über indogermanisch-semitische Wurzelverwandtschast" sich für einen Zusammenhang zwischen den beiden Sprachfamilien ausgesprochen, und ganz neuerdings hat Prof. Möller in Kopenhagen, ein verdienter Sprachforscher, diesen Nachweis zu führen versucht, und zwar ausgerüstet mit dem ganzen schweren Rüstzeug modernster sprachphysiologischer und sprachwissenschaftlicher Kenntnisse. Sein sehr umfängliches Werk „Semitisch und Indogermanisch" liegt zunächst nur im ersten Band yor und enthält auch manche sehr ansprechende Beobachtungen; aber mit vielen Gelehrten bin auch ich der Ansicht, das der versuchte Nachweis der Verwandtschaft des Semitischen und Indogermanischen nicht geliefert ist. Auch sein „Vergleichendes indoeuropäisch-semitisches Glossar", das soeben erschienen ist, vermag die Zweifel nicht alle zu beseitigen. Dem Verfasser selbst entgeht keineswegs die Hauptschwierigkeit bei der Beweisführung. Diese besteht darin, daß uns zwischen dem Ursemitischen, das in Arabien beheimatet gewesen sein muß, und dem Urindogermanischen, dessen Heimat in einer nördlichen Gegend war, und das sich höchstens bis zum Kaukasus als Südgrenze erstreckt haben kann, bis jetzt ein notwendiges Bindeglied fehlt. Es kann dafür nur eine der kleinasiatischen Sprachen in Betracht kommen. Von diesen wissen wir aber, abgesehen von Eigennamen und einigen zerstreuten Wörtern, so gut wie nichts. Ob in Zukunft das Lykische oder Chettitische, dessen Erschließung wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird, diese vermittelnde Rolle zu