Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 15)
- Language
- German
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— 192 das zweite Mal in der Weltgeschichte, daß ein semitisches Reich zusammenbrach vor der überlegenen kriegerischen Tüchtigkeit eines Volkes indogermanischer Sprache. Bis zur geschilderten Überflutung durch den Islam blieb das Mittelmeerbecken in den Händen der Römer und ihrer Nachfolger, der Byzantiner. Nachdem schon. im ausgehenden Mttelalter Italien mit seinen Inseln und Spanien von den Arabern gesäubert waren, erfolgt in unfern Tagen das Ubergreifen der Europäer auch nach Nordafrika. Algier, und Tunis sowie Ägypten sind in den Händen europäischer Mächte, Tripolis ist nur noch nominell türkischer Besitz, und auch Marokkos Schicksal wäre längst entschieden, wenn nicht die Eifersucht der europäischen Mächte ihm noch eine Gnadenfrist gewährte. Auch nach dem Orient strecken sie schon ihre Fangarme aus; aber hier gerade bemerken wir neuerdings eine bedeutsame Auswärtsbewegung der anscheinend inLethargie versunkenen semitischen Völker; Und wenn nicht alles trügt, geht auch der Orient einer neuen, verheißungsvollen Zukunft entgegen. Er wird voraussichtlich die Domäne der semitischen Völker bleiben, wie das Abendland den indogermanischen Völker gehört. .Diese Tellung erstreckt sich auch auf die sprachlichen Verhältnisse. Mit Ausnahme des Finnischen, Ungarischen, Türkischen und Baskischen werden in Europa ausschließlich indogermanische Sprachen geredet, während der Orient wie überhaupt die ganze islamische Welt, also auch Nordafrika, das Arabische zur Umgangssprache hat. Wenn es auch in mancherlei Dialekte zerfällt, so wird es doch immerhin als einheitliche Sprache empfunden, während dies bekanntlich bei den europäischen Sprachen nicht der Fall ist. Und doch gehen sie alle aus einen gemeinsamen Ursprung zurück, eine indogermanische Ursprache, die vor etwa 4500 Jahren von dem ungetrennten Stammvolk gesprochen wurde. Es ist den Sprachforschern gelungen, diese Grundsprache wieder zu rekonstruieren, wir. kennen ihren Wortschatz, ihre Flexionsformen und sind in der Erkenntnis ihrer Syntax schon weit vorgeschritten. Auch für die semitischen Sprachen ist eine solche gemein-