Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 12)
- Language
- German
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Auf dem kleinasiatischen Hochland nun entstand in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Chr. das mächtige Reich der Chettiter, das sich erobernd über Syrien und Mesopotamien ausdehnte. Ihnen stammverwandt sind die Mitani, die etwa 1600 v. Chr. ein Reich am Oberlauf des Euphrat gründen; die Westsemiten nennen es Naharaim, „das Land am Strom". Diese Mitani werden bereits um 1400 v. Chr. von einem Fürstengeschlecht beherrscht, dessen Mitglieder arische (d h. indo-iranische) Namen tragen. Neben ihren einheimischen Göttern verehren sie die arische Götterdreiheit: Indra, Mitra und Varuna. Von Kleinasien aus drangen arische Eroberer auch nach Syrien und Palästina vor, und zur selben Zeit wie bei den Mitani finden wir auch hier arische Fürstennamen in den Amarnabriefen aus der Zeit des Pharao Amenophis' IV. Die ägyptischen Urkunden kennen in Palästina einen blonden Volksstamm, die Amar oder Amaur (bei den Babyloniern heißen sie Amurri), die wir auf Abbildungen aus der Zeit Ramses II. (1324—1258 v. Chr.) finden. Man sieht sie für hochgewachsene Jndogermanen (Enaksöhne!) an und identifiziert sie wohl auch mit den Amoritern der Bibel, was aber unwahrscheinlich ist. Fest steht indes, daß in Syrien wie in Palästina bereits um 1600 v. Chr. die Jndogermanen mit den ansässigen Semiten zusammengestotzen sind, sie besiegt und längere Zeit beherrscht haben. Später verschwinden die arischen Namen, und die indogermanische Herrschaft scheint unter dem Druck der nachdrängendeu Semitenstämme zusammengebrochen zu sein. Die einziehenden Hebräer finden nur noch semitische Fürstentümer vor. Anders ist es im Osten, wo von den Bergen Irans herab arische Scharen unaufhörlich gegen das Kulturland, das von den Assyrern und Babyloniern verteidigt wird, andrängen. Die Arier sind Bergbewohner gewesen, die in ewiger Fehde gegen die Bauern der Ebene standen, so etwa wie die Kurden noch heute eine Landplage für Syrien sind. Ihre Stärke bestand darin, daß sie ein Reitervolk waren; zahlreiche mit „Pferd" zusammengesetzte Eigennamen treffen wir