Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — Rußland Typen unter den Juden, die sich kaum vom sog. arischen Typus unterscheiden. Ihr Vorhandensein wird sich nach dem Gesagten unschwer durch die uralte Beimischung indogermanischen Blutes- und durch den Zufluß nordeuropäischer Elemente während des Mittelalters erklären lassen. In diese Beleuchtung gerückt gewinnt eine vielbemerkte Ansicht Stewart Houston Chamberlains, des bekannten Rassefanatikers, ein anderes Aussehen. Er behauptet, Christus sei nicht jüdischen, sondern arischen Ursprungs gewesen. Diese beweislos hingeworfene Behauptung wurde von Prof. Harnack mit Recht scharf zurückgewiesen. Indes ist sie nicht absolut zuwiderlegen; Christus konnte ebenso gut wie jeder andere Jude arisches Blut in seinen Adern haben. Aber darauf kommt es auch garnicht an; seiner Erziehung und Lebensweise nach war er Jude und dachte garnicht daran, sich als solchen zu verleugnen. Denn nicht Rasse ' und Abstammung bildet in geschichtlichen Zeiten das Band zwischen den Angehörigen eines Volkes, da, wie wir gesehen haben, alle Völker in geschichtlicher Zeit mehr oder minder gemischt sind; sondern die gemeinsame Sprache und die gleiche Kultur sind die wahren Bindeglieder zwischen den Volksgenossen, in der heutigen Zeit noch mehr als früher. In sehr alten, vorgeschichtlichen Epochen war das freilich anders. Für die Anfänge der Völkerfamilien der Jndogermanen, der Semiten usw. müssen wir auch eine einheitliche Raffe voraussetzen; aber dieser Zeitpunkt liegt Weit jenseits aller durch anthropologische, vorgeschichtliche oder geschichtliche Forschung zu erreichenden Grenzen. Als die Angehörigen der zwei großen Sprachgruppen zum ersten Male zusammenstießen, sind sie infolge vielfacher Wanderungen und Kreuzungen schon keine reine Rasse mehr gewesen. Wann und wo geschah dieses erste Zusammentreffen? Wiederum sind es die Inschriften des Chettitervolks, die uns Aufklärung geben. Wir haben bereits gehört, daß das Verbreitungsgebiet der semitischen Raffe im Norden durch die Gebirgsketten Kleinasiens und im Osten durch das .iranische Randgebirge abgeschlossen wird.