Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 10)
- Language
- German
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187 europa von den Mitbewohnern scharf absondert. Die Antwort ist folgende: Bestimmte Typen bilden sich nicht allein durch Rassegemeinschaft, sondern auch durch gleiche kulturelle und soziale Verhältnisse. Ein frappantes Beispiel dafür bieten z. B. die genannten jemenitischen Juden. In ihrer äußeren Erscheinung gleichen sie auffallend den polnischen Juden mit den langen Paies (Seitenlocken), die sie ebenfalls tragen, obwohl sie anthropologisch grundverschieden von ihnen sind. Die lange Absperrung der Juden in den Ghettos, ihre eigenartige Lebensweise, ihre rein geistige Arbeit ohne genügende körperliche Betätigung und nicht zum mindesten ihre stete Inzucht hat eine verkümmerte, versorgte Rasse gezüchtet, die erst in dem letzten Jahrhundert unter dem Einfluß günstiger wirtschaftlicher Bedingungen sich wieder zu erholen begann, dank der ihr innewohnenden Elastizität und Lebenskraft. Übrigens finden sich sogenannte jüdische Typen auch bei anderen Kulturvölkern mit langer Vergangenheit oder bei Völkern, die unter erschwerten Lebensbedingungen wirtschaften, selbst bei den Japanern und Indianern, die doch extrem verschiedene Rassen darstellen. Es sind eben vielfach Degenerationsmerkmale, die auch bei alten aristokratischen Familien wie den Bourbonen, Habsburgern usw. auftreten. Wenn aber auch eine AnzahlBesonderheiten derJuden, etwa die vielverbreitete schlechte Haltung, der nachlässige Gang, die eigenartige Sprechweise und anderes mehr sich im Laufe der Zeit verlieren bezw. nicht auffälliger sein werden als bei anderen Europäern, so ist natürlich nicht zu erwarten, daß alle Rasseneigentümlichkeiten verschwinden werden. Das ist aus entwickelungsgeschichtlichen Gründen ausgeschlossen. Freilich dürfenZvir nicht vergessen, das diese aus dem uralten semitischen Substrat stammenden Eigenheiten mehr bei uns im Norden als in Südeuropa auffallen, da die Südeuropa bewohnende Mittelmeerrasse in Wuchs, Haut- und Haarfarbe der semitischen Rasse ziemlich nahe steht. Gehören doch die europäischen Rassen und die semitische Rasse als Zweige zu dem Stammbaum der kaukasischen Menschheit. Immerhin finden wir bei uns im Norden, selbst in Polen und