Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 8)
- Language
- German
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185 der Vermischung mit den Nichtjuden abzuhalten, und nach ihrem eignen Zeugnis ist es ihnen nicht gelungen^ Noch weniger war dies möglich, als nach dem Sturze des Perserreiches griechische Bildung, Sitte und Sprache ihren siegreichen Einzug auch in Palästina hielten. Schon in der hellenistischenZeit, also noch Jahrhunderte vor Chr. Geb., begann die friedliche Ausbreitung der Juden über die Mittelmeerwelt; besonders in Ägypten, zumal in der aufblühenden Handelsstadt Alexandria, besaßen sie Kolonien mit eigener Verwaltung und eigenen Synagogen. Als die Römer ihre erobernde Hand, nach dem östlichen Mittelmeere ausstreckten, geriet bekanntlich auch das jüdische Reich unter ihren Einfluß, und infolge dieser engen Beziehungen verbreiteten sich die Juden durch das ganze römische Reich, nach Italien und bis nach Gallien. Die Zerstörung des Tempels und die Auflösung des jüdischen Reiches durch Titus beschleunigte natürlich diesen, Vorgang noch beträchtlich. Trotz der politischen Feindschaft zwischen Rom und Judäa war die jüdische Religion Lei den Heiden sehr beliebt; zahlreiche Übertritte zum Judentum erfolgten in den Zeiten des ausgehenden Heidentums, ehe das neu erstandene Christentum durch seine größere Anpassung an die Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse der heidnischen Welt und seine werbende Tätigkeit der jüdischen Religion den Boden abgrub. . Aber selbst als das Christentum erstarkt und Staatsreligion geworden war, hörte die Anziehungskraft des Judentums nicht auf. Das ganze frühe Mittelalter hindurch erfolgte in den europäischen Ländern infolge des engen Zusammenwohnens zwischen Juden und Christen Glaubenswechsel herüber nnd hinüber, und erst das Aufkommen der Ghettos im Gefolge der Kreuzzugsbewegung schuf eine Kluft zwischen Juden und Christen, die vorher in dieser Schärfe nicht bestanden hatte. War doch der jüdische Glaube keineswegs mißachtet im früheren Mittelalter, vielmehr besaß er noch immer eine bedeutende werbende Kraft. So war vor Mohammeds Auftreten das Judentum in Arabien weit verbreitet, und der Prophet des Islam hatte schwere Kämpfe zu bestehen,