Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 7)
- Language
- German
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MNU MM — 184 — nur das flache Land und ließ die früheren Bewohner in ihren Städten unbehelligt. Sie wurden auch niemals gründlich vertrieben oder gar ausgerottet; vielmehr vermischten sich die Israeliten immer > wieder mit ihnen, trotz der Abmahnungen ihrer Richter und Propheten. So konnte schon auf Kanaans Boden der reine semitische Typus, wie ihn bis heute z. B. noch die Araber verkörpern, nicht erhalten bleiben. Wir finden schon in den bildlichen Darstellungen der Juden durch die Assyrer oder auf dem Triumphbogen des Titus dieselben Typen wieder wie noch heute. Besonders auffallend ist die Ähnlichkeit in der Gesichtsbildung mit den Abbildungen, die wir auf neu ausgefundenen Denkmälern Kleinasiens von den Chettitern haben, ein Beweis, daß ein starker Einschlag dieses sremdvölkischen Elements bei den alten Israeliten vorhanden war. Daher können wir die Juden der vorexilischen Zeit schon nicht mehr als reine Semiten ansehen; ja selbst arisches Blut ist unter ihnen schon vertreten, wie wir gesehen haben. Eine weitere Zufuhr semitischen Blutes dagegen erfolgte durch die mehr friedliche Einwanderung der Aramäer, die etwa von der Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends an Babylonien und Assyrien zu überfluten beginnen; bereits um das Jahr 1000 v. Ehr. etwa ist die Volkssprache dort das Aramäische. Auch Syrien muß immer mehr aramäische Bestandteile in sich ausgenommen haben, denn das Hebräische ist ebenfalls zur Zeit des babylonischen Exils als Volkssprache durch das Aramäische verdrängt, wie wir aus einzelnen Kapiteln der Bücher Esra und Daniel sowie aus den neuerdings aufgesundenen Urkunden der jüdischen Soldatenkolonien in Jeb (auf der Nilinsel Elephantine) und in Syene (Assuan) ersehen können. Neben dieser stammverwandten Beimischung durch die Aramäer erhielten die Juden weitere durch die nach Palästina von den Assyrern und Babyloniern verpflanzten fremden Völker anstelle der exilierten Einwohner; wir wissen aus den Schriften von Esra (z. B. Kap. 9) und Nehemia (z. B. Kap. 4, 9, 10), daß es ihnen recht schwer hielt, die zurückgekehrten Juden von