Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 182 Semiten bezeichnet. Wo ist die Urheimat der Semiten nun zu suchen? Hierüber sind wir dank der geographisch einfacheren und übersichtlicheren Verhältnisse VorderasienK sowie unserer durch die Ausgrabungen im Zweistromlande außerordentlich erweiterten geschichtlichen Kenntnisse besser unterrichtet als über die Ursitze der Arier, die sich weder auf archäologischen noch auf sprachwissenschaftlichen Grundlagen bis jetzt mit voller Sicherheit bestimmen ließen. Das Verbreitungsgebiet der semitischen Völker in Vorderasien ist das Land südlich von den mächtigen Gebirgsketten des Taurus und den iranischen Randgebirgen, also Syrien mit Palästina, das Zweistromland und vor allem die große Halbinsel Arabien, die dreimak den Flächeninhalt von Deutschland umfaßt. Die letztere ist als die Heimat der semitischen Völker zu betrachten^ die eine weit geschlossenere Einheit bilden als die ethnographisch völlig verschiedenartigen Völker indogermanischer Zunge. Wir können an der Hand geschichtlicher Dokumente die aufeinanderfolgenden Schichten der semitischen Auswanderung verfolgen, deren Ziel stets das der arabischen und mesopotamisch-syrischen Wüste im Osten und Westen vorgelagerte Kulturland ist. Das Einströmen der nomadischen Völker geschieht stoßweise in bald kürzeren, baldlängeren Zwischenräumen, je nachdem die Verteidigung, des Kulturlandes durch die seßhaft gewordenen Völker erlahmt oder die zunehmende Menschenmenge in den öden Wüstengebieten es erheischt. Die älteste Schicht semitischer Einwanderung ist die der babylonischen Semiten (Babylonier und Assyrer), die um die Mitte des vierten vorchristlichen Jahrtausends die noch ältere Kultur der Sumerer und Akkader in Mesopotamien überrennen und sich ancignen. Ein Jahrtausend später erfolgt die nicht minder ausgedehnte Überschwemmung des Kulturlandes durch die Kanaanäer; einer kanaanäischen Dynastie gehört der mächtige König und Gesetzgeber Chammurabi (1968 bis 1916) an. Wir benennen diese zweite Schicht der semitischen Einwanderer nach dem Lande Kanaan, wo sie von den vordringenden Hebräern als Besitzer des Landes» angetroffen werden. Die Hebräer sind einer der letzten