Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Arier und Semiten
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 4)
- Language
- German
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M WMWMH WWN8 181 — spricht freilich eine indogermanische Sprache, das Deutsche, aber dieselbe Sprache reden die von ihm so gehaßten Juden auch. Das Land, das er bewohnt, wurde einst von indogermanischen Stämmen, den Kelten- Germanen und Slaven nacheinander besetzt, die aber eine schon früher ansässige Urbevölkerung antrafenvon der wir allerdings nur spärliche Kulturüberreste aus den Gräbern usw. besitzen. Wenn also auch Juden in dies Land eingezogen sind, so haben sie weiter nichts getan, als daß sie dem Beispiel der etwaigen arischen Urahnen gefolgt sind, die einst als Eroberer kamen, ohne indes ihr Volkstum auf die Dauer rein zu erhalten. Es ist demnach eine historisch und anthropologisch aufs Schärfste zurückzuweisende Anmaßung der Deutschtümler und Judenfeinde,-sich den Juden gegenüber als eine besondere oder womöglich bessere Rasse aufspielen zu wollen. Die heutigen Völker Europas sind sämtlich keine reinen, - sondern Mischrassen; ja sogar im Osten mit einem starken Einschlag mongolischen Blutes, der z. B. bei den Finnen und Ungarn auf Urverwandtschaft mit der mongolischen Rasse zurückgehen mag. Nun wird ein Rassefanatiker allerdings einwenden: wenn die europäischen Völker auch keine unvermischte arische Rasse mehr sind, so haben wir doch andrerseits in den unter ihnen wohnenden Juden reine Semiten zu erkennen, die von den Europäern durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt sind. Aber auch diese Behauptung stimmt nicht. Was versteht die Wissenschaft unter semitischer Rasse? Die Bezeichnung Semiten für eine Völkergruppe geht zurück auf die sogenannte Völkertafel im 1. Buch Mosis Kap. 10, wo Noahs Sohn Sem als Stammvater einer Reihe von Völkern angegeben wird, zu denen die Assyrer, die Aramäer, die Hebräer usw. gezählt werden. . Die Völkertafel. unterscheidet von den Nachkommen des Sem die des J as et und. des Ham, ordnet im großen Ganzen die ihr bekannten Völker auch ganz richtig, weicht aber in Einzelheiten von unserer heutigen Gruppierung ab, indem sie z B. bie Kanaanäer als Hamiten, oder die Elamiter als