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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 180

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Arier und Semiten
Date
1910-01-01
Page
Seite 180 (sequence 3)
Language
German
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180 — heutigen Ausdehnung bewohnbar wurde, erfolgte ein Einströmen neuer Menschenrassen von Osten her, die sich mit den Urbewohnern vermischten. Zudem ist noch nicht sicher nachgewiesen, wo das indogermanische Urvolk vor der Trennung der einzelnen Stämme ansässig war, ob in Mittel- oder Osteuropa; selbst in Asien wird von manchen Forschern die Urheimat gesucht. In allen diesen Gegenden konnte sich das Urvolk nicht rein erhalten, da es einem fortwährenden Zuströmen fremder Völker ausgesetzt war. So kommt es/daß sich selbst die Forscher, die noch eine einheitliche Rasse bei dem Urvolk annehmen, nicht darüber einig sind, welche von den jetzt Europa.' bewohnenden Rassen dies gewesen sei, ob die Helle, hochgewachsene nordische oder die kleinere rundköpfige Rasse Mitteleuropas. Nehmen wir aber auch an, die Jndogermanen hätten sich bis zu ihrer Abwanderung in ihre' späteren Wohnsitze als reine Rasse erhalten, so ist dies in historischer Zeit sicher nicht mehr der Fall gewesen. Denn die dünne Schicht der Einwanderer, die den unterworfenen Ureinwohnern Griechenlands, Italiens, Kleinasiens, Irans oder Indiens ihre Sprache und auch zum Teil ihre Kultur aufzwang, vermochte sich als Rasse auf die Dauer nicht zu behaupten; sie wurde in den unaufhörlichen Kriegen aufgerieben oder von den bodenständigen Elementen aufgesogen. So kam es, daß die eingedrungenen Arier, d. h. Jndogermanen fast überall als solche verschwunden sind, obwohl wir die Völker, die ihre, Sprache angenommen haben, als arische, (indogermanische) bezeichnen. Wohl gemerkt, aber nur in sprachlicher Beziehung, denn schon der Augenschein lehrt, daß ein Inder mit einem Engländer nicht stammverwandt ist, auch würde sich der letztere in seinem Herrenstolze eine solch nahe Verwandtschaft wohl höslichst verbitten. Ebensowenig wird man einen Spanier oder Süditaliener mit einem Skandinavier als stammverwandt ansehen. Wenn also, und nun komme ich auf den Kernpunkt dieser Erörterungen, ein Alldeutscher oder Antisemit sich als Arier im Gegensatz zu dem Semiten aufspielt, so befindet er sich in einer argen Selbsttäuschung. Er

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