Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Talmud als Bildungsmittel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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175 — selbst erfüllt?" . Und er antwortet: ״Moses Frau war Ler Geburt nach eine Midianiterin." Deshalb sagt Moses, ich habe von den Midianitern etwas Gutes empfangen, und das Sprichwort sagt, ״in den Brunnen, aus dem du getrunken hast, darfst du keinen Stein werfen". Tiefsinnige Aussprüche über Geburt und Tod treten uns entgegen. ״Der Mensch kommt zur Welt mit )geballter Faust und scheidet aus ihr mit ausgestreckten Fingern. Er kommt zur Welt mit geballter Faust, als wollte er sagen ״die ganze Welt gehört mir". Und er scheidet von ihr mit ausgestreckten Fingern, als wollte er sagen ״dies ist Alles, was ich erworben habe". Oft lehrt der Gedanke wieder, welch gefährliches Werkzeug die Zunge sein kann. So läßt der Midrasch einmal Gott selber zur Zunge sagen: ״Alle Glieder des Menschon sind gerade, du allem bist hingestreckt. Die anderen -Organe sind außen, du allein bist im Innern des Körpers. Dazu habe ich noch zwei Mauern um dich herumgebaut, eine von Bein und eine von Fleisch. Was kann da Gott noch tun, daß du nicht lügst und verleumdest." Doch wir können davon absehen, an dieser Stelle noch weitere Proben aus dem Midrasch zu geben, besitzen wir doch seit einem Jahre ein Werk, das in der schönsten Weise eine beträchtliche Zahl von Sprüchen und Erzählungen der Agada allen zugänglich macht, die prächtige Sammlung von Max Weinberg ״Ewige Weisheit" sHalle, Otto Hendel, 1,35 M.). Dringend wäre es zu wünschen, daß in jeder jüdischen Familie dieses wundervolle Buch zu finden sei. Manche Sprüche, Parabeln und Legenden des Talmud kann man auch da finden, wo man es am wenigsten vermutet und wo man auch über ihren Ursprung weiter nichts erfährt, nämlich in älteren Volksschullesebüchern und in anderen Sammlungen ethischer Sprüche und Erzählungen. Petrus Alfonfi, ein getaufter Jude, hat in seinem im 15. Jahrhundert in Spanien erschienenen Werke der Erziehung und des Unterrichts für Geistliche, disciplina clericalis, eine Anzahl von ihnen ausgenommen und von dort gingen sie in die Literaturen