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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 174

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Talmud als Bildungsmittel
Date
1910-01-01
Page
Seite 174 (sequence 16)
Language
German
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, -־י 174 — . besteht die Gefahr, daß sie viele der besten Empfindungen im Menschen vertrocknen läßt. Daher unterbricht der Talmud häufig die Strenge theoretischer Betrachtung freundlich durch Geschichten und Erzählungen, die dem Leser zur Abwechselung einmal nicht verkünden, was richtig, sondern was gut ist, und was er tun muß, um ein guter Mensch zu werden. Diese Oasen im Felde gelehrter Untersuchungen bezeichnen wir als Midrasch oder Agada, und seitdem Leopold Zunz im Jahre 1832 sein großes Werk veröffentlicht hat, ״die gottesdienstlichen Vorträge der Juden historisch entwickelt", wissen wir, daß diese Agadas und Midraschim Fragmente und Überbleibsel aus alten Predigten darstellen. Betrachten wir nun einige von diesen Midraschim, die mitten im Talmud, untermengt mit theoretischen Belehrungen sich finden, wie das Erz im Gestein. Da wird dem Menschen mit hübschen Worten die religiöse und myralische Bestimmung seiner Glieder erklärt. Zum Beispiel: ״Warum gleichen die Finger des Menschen kleinen Pflöcken? Damit er sie ins Ohr stecken kann, wenn er etwas Unanständiges hört. Warum ist das Ohr knorplig und das Ohrläppchen weich? Dannr der Mensch das Ohrläppchen ins Ohr stecken kann, wenn er unsaubere Reden hört". Vor Hochmut warnt eine andere Betrachtung. Der Mensch ist am sechsten Schöpfungstage erst geschaffen, damit, wenn er übermütig wird, die Mücke zu ihm sagen kann, . ich bin vor dir geschaffen. Die Pflanze soll uns Sanftmut lehren. ״Der Mensch soll nachgiebig sein, wie das, Schilfrohr, nicht aber so Hart wie die Zeder. Denn weil das Schilfrohr so nachgiebig ist, ist es belohnt worden; man nimmt aus ihm die Federhalter, mit denen man die Thorarollen, die Tefillin und die Mesusoth schreibt". Aus ganz unscheinbaren Andeutungen des Bibel- Wortes werden die schönsten Wahrheiten entwickelt. So befiehlt Gott dem Mose Krieg gegen Midian zu führen. Aber Mose führt den Streit nicht selbst, sondern der Priester Pinchas tritt an seine Stelle. Der Midrasch fragt: ״Weshalb hat Moses den Befehl Gottes nicht 8

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