Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Der Talmud als Bildungsmittel
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 164 — sind. Die talmudischen Diskussionen haben ihre eigene Ausdrucksweise, sie vertragen im Grunde gar keine einfache Übertragung, verlangen vielmehr weitere Ausführungen, wenn auch nur einigermaßen verständlich werden soll, was der Talmud selbst mit wenigen Worten sagt. Eine Mischna, die die wichtigsten Bestimmungen des- Rechtes auf Schadenersatz enthält, lautet z. B. ״Vier Väter des Schadens gibt es, den Ochsen, die Grube, den Zahn und das Feuer. Es ist nicht der Ochse wie der Zahn und nicht der Zahn wie der Ochse, und es sind nicht diese beiden, in denen Leben ist, wie das Feuer, in dem kein Leben ist, und es sind nicht diese drei, deren Art es ist, sich weiter auszubreiten und Schaden zu stiften, wie die Grube, die Schaden anrichtet, aber sich nicht bewegt. Gemeinsam ist ihnen, daß es ihre Art ist, Schaden anzurichten, und daß ihre Bewachung dir obliegt. Und wenn einer Schaden angerichtet hat, dann ist der Besitzer verpflichtet, Ersatz zu leisten mit seinen besten Grundstücken. Bin ich für die Bewachung verantwortlich, dann habe ich den Schaden verschuldet. Habe ich einen Teil des Schadens verschuldet, dann bin ich ersatzpflichtig, als hätte ich den ganzen Schaden verschuldet. Güter, an denen keine Veruntreuung möglich ist, Güter von Religions-- genossen, Güter, die im Privateigentum stehen, und an jedem Orte, nur nicht an. einem Platze, der dem Schädiger gehört oder gemeinsames Eigentum des Beschädigers und des Beschädigten ist. Und wenn er Schaden angerichtet hat, muß der Schuldige mit seinen besten Gütern Ersatz leisten." Wieviele Worte müßte man machen, um diese Mischna, die lauter wichtige Rechtsgrundsätze enthält, ihrem ganzen Inhalte nach verständlich zu machen! Sie ist ja allerdings besonders knapp, aber dafür gibt sie doch wenigstens eine zusammenhängende Vorstellung; die Gemara, die weitere Verarbeitung der Mischna, bringt statt einer solchen nur Diskussionen, ein ununterbrochenes Frage- und Antwortspiel, und verlangt deshalb in noch viel höherem Grade die machhelfende Gedankenarbeit des Lesers. .