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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Der Talmud als Bildungsmittel
Date
1910-01-01
Page
Seite 163 (sequence 5)
Language
German
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— .163 Gedanken zu konzentrieren und" lange Erörterungen knapp Zusammen zu fassen. Das Gleiche gilt von dem Fehlen jeglicher Inter- Punktion im Talmud. Wenn ein neuer Abschnitt in ihm beginnen soll, dann wird der vorige durch einen Doppel- Punkt abgeschlossen. Außer diesem aber unterbricht kein' Komma und kein Punkt, kein Anführungszeichen und kein Fragezeichen den Gang der Darstellung. Die streitenden Autoren mögen selbst reden oder weit entlegene Quellen zitieren, sie mögen eine Frage stellen oder eine Erklärung abgeben, immer läßt sich nur aus dem Zusammenhange der Verlauf der Diskussion erkennen, nie aus den Satzzeichen. Wie groß da die Schwierigkeit wird, ihrer Auseinandersetzung zu folgendas kann nur der ermessen, der selbst schon einmal an einer schwierigen Talmudstelle sich abgemüht hat. Wer nur moderne Bücher kennt, weiß gar nicht mehr, daß eine gute Inter- Punktion der erste und notwendigste Kommentar für jede literarische Darstellung ist. Denn sie ist für das gedruckte Wort das Gleiche, was für das gesprochene der Ton ist, sie gibt die Musik zum gedruckten Text, und das Verftändnis wird sofort schwierig, wo sie fehlt. Wenn ich sage ״Er ist ein Ehrenmann!", so ist das genau das Gegenteil, als wenn ich sage ״Er ist ein Ehrenmann?". Im Talmud aber würden beide Sätze völlig gleich aussehen. Dieser Mangel nötigt wiederum zu einem genauen Eingehen auf den Sinn, zu einer Aufmerksamkeit, wie sie beim Studium einer Abhandlung in deutscher Sprache so bald nicht notwendig wird, und zwingt so abermals zu ernster Zucht im Denken. Den zahlreichen Schwierigkeiten der Form des Talmud reihen sich die noch Vielzahlreicherenan, die der Inhalt bietet. Der Talmud ist sehr lakonisch. Nur selten gibt er breit ausgeführte Darstellungen, meistens beschränkt er sich auf kurze Andeutungen. Er gibt zuerst nur das Ziel , der Debatte an, und überläßt es dann dem Nachdenken des Lesers ausfindig zu machen, welch ein Weg zu diesem Ziel führt. Daher kommt es, daß die wärtlichen Uebersetzungen des Talmud durchweg ungenügend 11*

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