Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Moritz Veit
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Herrn von Blankenburg, der sein ganzes Wissen nicht etwa aus den Quellen, sondern aus einigen antisemitischen Brochüren entnommen hatte, entgegenhielt, daß er, Veit, kein so großer Gelehrter sei. Aber er stellte mit Entschiedenheit in Abrede, daß die von dem Vorredner vorgetragenen Stellen wirklich das besagten, was Jener meinte, indem er mit Nachdruck auf den Grundsatz des Judentums hinwies, „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Im Einzelnen tat er dar, daß die Gelübde, von dereu Ablösung in den Gebeten des Versöhnungstages gesprochen werde, nicht solche gegen Menschen, sondern solche gegen Gott seien. Er widerlegte das völlig Irrige in der Auffassung von Mendelssohns Gesinnung. Er suchte im Einzelnen zu beweisen, daß die Berichte, die über jüdische Soldaten feit, nun 50 Jahre existierten, vortrefflich seien, leugnete, daß ein Eid nicht auch von einem Juden ausgenommen werden könnte, indem er speziell auf die Erfahrungen die Aufmerksamkeit lenkte, die in Holland und England gemacht worden seien, wendete sich aufs entschiedenste dagegen, daß ein Jude nicht ebenso gut wie ein Christ fähig sein solle, Geschichte, alte Sprachen zu lehren, und hob zum Beweise des Gesagten den berühmten Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Philipp Jaffö hervor. Er sprach den Wunsch aus, „mögen wir zum letzten Male an dieser Stelle über die bürgerliche Gleichstellung der Juden verhandelt haben, möge der konfessionelle Unterschied.aus der bürgerlichen Gesetzgebung dieses Landes fortan gänzlich verschwinden." Freilich verhehlte er sich nicht, daß dies wohl auch jetzt wie so oft ein frommer Wunsch bleiben werde: „denn es liegt in der Natur, des Vorurteils, daß es nicht zum Abschlüsse kommt, daß es wie eine Schlingpflanze tausendmal zertreten am Boden fortwuchert". Ob auch aus diese mächtige Rede, die insofern von Erfolg begleitet wurde, als die Petition Sutros ebenso wie eine wenig später eingegangene des Dr. Arnheim um Anstellung an einer staatlichen Lehranstalt der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen wurde, ein Dankschreiben der jüdischen Gemeinde Berlins erlassen wurde, ist nicht