Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Moritz Veit
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 25)
- Language
- German
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— 153 — Die Verhältnisse der Juden in Preußen hatten sich mit den allgemeinen Zuständen gegen Ende des 6. Jahrzehnts gebessert, als mit der Regentschaft des Prinzen Wilhelm eine liberale ^Aera begonnen hatte. Freilich war man noch weit von einer völligen Gleichstellung entfernt, und mancherlei Bestrebungen machten sich geltend, den Juden die ihnen in Aussicht gestellten Rechte zu entziehen oder nicht vollständig zu gewähren. Besonders das Recht, Stellungen an öffentlichen Lehranstalten zu bekleiden, wurde nach wie vor den Juden vorenthalten. Unermüdlich trat dagegen der Oberrabbiner Sutro auf. Eine dieser Petitionen bildete die Beratung einer Sitzung des Abgeordneten-Hauses vom 24. April 1860. Die Petitionskommission hatte vorgeschlagen, die Bittschrift der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. An diesen Vorschlag knüpfte sich eine interessante Debatte. Besonders suchten die Konservativen bei dieser Gelegenheit ihren alten Judenhaß vor dem Lande auszusprechen. Als Hauptredner trat Herr von Blankenburg auf, der, um die Schädlichkeit der Anstellung von Juden an öffentlichen Lehranstalten und ihrer Aufnahme in die Lehrerkollegien nachzuweisen, die Christenfeindschaft der Juden darzulegen suchte. Zu diesem Zwecke las er das Kol Nidre-Gebet vor, gab Kenntnis von einzelnen Stellen aus talmudischen Traktaten, in denen die entschiedenste Christenfeindschaft dargelegt wurde, wies auch auf eine Stelle Montefiores hin, die so lautete: „das heilige Land ist und bleibt unser Eigentum", und auf einen Satz Mendelssohns: „schickt Euch in die Verfassung des Landes so gut Ihr könnte Aus allen diesen Stellen schloß der Redner, daß die Juden eine besondere Nation bildeten, die sich entweder garnicht oder nur unwillig in die Gewohnheiten und Gesetze des Landes fügten, in, dem sie lebten, und aus diesem Grunde nicht würdig seien, die Jugend dieses Landes zu unterrichten. In seiner Erwiderung lehnte es Veit ab, auf alle die von dem Vorredner vorgetragenen, aus dem Zusammenhänge gerissenen Stellen zu antworten, indem er mit feiner Ironie