Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Moritz Veit
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Gleichstellung nicht gefallen lassen würde. An der Hand von Daten wies er nach, daß überall da, wo Wahlen seitens des Volkes stattgefunden hätten, kein Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht worden sei. Mit dem vollsten Nachdruck hob er hervor, daß die Verfassung vom König beschworen, aber keine leichte Märzerrungenschaft sei. Er wies u. A. nach, daß Klees Berufung auf Hegel ganz falsch sei. Seine Rede gipfelte in der Bemerkung, der Staat habe auf Sittlichkeit zu achten. „Die Frage, ob das Judentum imstande sei, dem Staatsleben die Bürgschaft einer sittlichen Grundlage zn geben, — einer Erörterung der Frage glaube ich mich überhoben. Ich glaube mich ihrer überhoben im Angesicht der altehrwürdigen Urkunden, die für uns Alle ein heiliges gemeinsames Besitztum sind." Veits Rede hatte den gewünschten Erfolg. Bei den Abstimmung erklärten sich 78 für den einfachen Uebergang zu der Tagesordnung, 49 stimmten mit nein, wünschten also, eine motivierte Tagesordnung durchzusetzen. Man darf wohl sagen, daß so sehr auch in süddeutschen Ständeversammlungen und in einzelnen preußischen Provinzialländtagen kräftige Worte für die Juden gesprochen worden waren, Veit der erste ist, der in einer allgemeinen preußischen Versammlung die Rechte der Juden mit Ueberzeugung und Erfolg vertrat. Es war daher durchaus billig, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin dem kühnen und glücklichen Redner mit einem Dankschreiben lohnte. In diesem (8. April 1852) kamen die ehrenden Worte vor: „Sie haben mit den unwiderstehlichen Waffen der Wahrheit die Angriffe der Gegner siegreich bekämpft, in diesem Siege zunächst den Juden in unserem Vaterlande ein Anrecht erhalten, nicht minder denen wert, welche danach streben, der Frucht desselben teilhaftig zu werden, als der Gesamtheit in erhebendem Bewußtsein, und wahrlich, keine Persönlichkeit' konnte durch sich selbst die überzeugenden Worte, die