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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1910-01-01 · 13 (1910) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
13 (1910)
Article
Moritz Veit
Date
1910-01-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 Lehrer vorgebildet werden. Nun seien aber die meisten jüdischen Lehrer oder alle ausschließlich talmudisch vorgebildet; um ihnen die nötige allgemeine geistige Grundlage zu gewähren, sei das Seminar geschaffen. Der Redner rief zwei Männer gleichsam als Schutzgötter für die neue Gründung an: Lazarus Bendavid und David Friedländer. Die diesen Beiden gewidmeten Worte sind noch heute lesenswert: „Die edle Selbstgenüge und Unerschütterlichkeit des Charakters, die seltene Lust an jeder Art von Unabhängigkeit, im Leben und in der Wissenschaft, welche die Derwischnatur Bendavids mit echt antikem Roste veredelte, diese jugendliche Springkraft des Gemütes, die ihn niemals verließ, sodaß er in einem Alter, wo Andere im Genüsse der Ernte ruhen, noch Samen auszustreuen, zu warnen, zu ermahnen den Mut hatte, — all diese edlen Gaben mögen fortwährend in unsrer Mitte verweilen. Aber auch des liebenswürdigen Greises wollen wir gedenken, der, ein Schüler der Weisen im schönsten Sinne des Wortes, den Kern seines Wirkens, seinen Ruhm und seinen Stolz darin fand, eben nichts Anderes zu sein, als ein Schüler des sokratischen Weisen, der die Vermählung des deutschen und jüdischen Geistes zum ersten Mal an sich vollzogen und in seiner Freundschaft mit Lessing vorbildlich dargestellt hatte. David Friedländer verlangte nicht, daß man blindlings auf die Worte des Meisters schwöre, er wollte dadurch, daß er im Sinne des Lehrers fortwirkte und wieder andere zu ähnlicher Wirksamkeit anregte, die geistige Gestalt des teuren Meisters in liebenswürdiger Pietät der Erde gleichsam erhalten. Dies schöne Verhältnis des Lehrers zum Schüler, das von Geschlecht auf Geschlecht forterbt, das die Weisheit der Vorwelt überkommt, um sie, vertieft und erweitert, den Nachkommen zu überliefern, ist die älteste Macht der Erde, der tiefe Grund alles Fortschritts, der Inbegriff all der schaffenden Gedanken, welche das Leben bilden und bauen. Möge die Kraft des Einen und die Milde des Andern, der edle Freimut und Forschergeist, sowie die Pietät gegen hervorragende Menschen auf die

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