Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 13 (1910)
- Article
- Moritz Veit
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Briefwechsels mit Michael Sachs (Frankfurt a. M. 1897) anschloß, mußte vorausgeschickt werden, dainit klar wurde, um wen es sich eigentlich handelt. Wenn aber in diesem Kreise von Veit gesprochen wird, so ziemt es sich in erster Linie, seiner Tätigkeit für die Inden zu gedenken Da darf Michael Sachs, der jüdische Gelehrte und Rabbiner wohl im Vordergründe stehen. Sachs, der Berliner Prediger, der Veits Bemühungen zumeist seine Berufung nach Berlin verdankte, der gewaltige Redner, der durch seine glänzenden oratorischen Leistungen ein ganzes Geschlecht bezauberte und es an das Judentum fesselte, war Veits intimer Freund. Eine innige Gemeinsamkeit zwischen Beiden bildete sich in jungen Jahren, bestand länger als eilt Viertelsäkulnm und wilrde nicht vernichtet, ja kaum gehindert, als durch gegensätzliche Auffassitiig grundlegender Anschauungen über Berliner Gemeindeverhältnisse sich starke Meinungsverschiedenheiten einstellten. Und doch wären Gründe genug gewesen, die eine Freundschaft zwischeit Beiden hätten hindern, oder eine bestehende hätten erschüttern können. Veit war ein geborener Berliiter, von altem Adel, Sachs ein Eingewanderter. War Veit ein reicher Mairn, so war Sachs von Hause atls unverniögend und lebte beständig in bescheidenen Verhältnissen. Jener war Vorsteher, Leiter der Gemeinde, dieser eilt von deit Geiiteindebehördeit angestellter Geistlicher. Veit war eine beschauliche Natur, Sachs ein Freund des Kampfes. Was sie trotz dieses Gegensatzes einte, war vor allen Diligen ihre Stellung zmit Judentum, die innige Liehe zu dem Glauben, die Verklärung des Alten, eine romantische Verherrlichititg der Vergangenheit. Auch das kam dazu, daß beide durch ihr Judentum zu leiden hatten, denn, wenn Veit durch seinen Glauben an seinem Lieblingswunsch gehindert wurde, die akademische Karriere zu ergreifen, so wurde auch Sachs abgehalten, klassischer Philologe zu werden, ja wurde erst durch die Unmöglichkeit, eine Lehrerstellnng zu erhalten, wie er sie wünschte, zu seinem Berufe gedrängt.